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25. November 2017 | 05:09 Uhr

Grevesmühlen : Fackelmarsch statt Laternenumzug

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neonazis zogen Sonntagabend mit Kindern durch die Stadt / Aktivisten: Zivilgesellschaft und Behörden haben versagt

von
erstellt am 27.Okt.2014 | 23:08 Uhr

Neonazis haben Sonntagabend in Grevesmühlen offenbar einen genehmigten Laternenumzug als Vorwand für einen Fackelmarsch durch die Stadt genutzt. „Von den angekündigten Kindern mit selbst gebastelten Lampions war nicht viel zu sehen. Stattdessen marschierten Neonazis und deren Kinder mit Fackeln ungestört durch Grevesmühlen“, kritisiert die Sprecherin einer Aktivistengruppe, Lisa Krug. Sie spricht von einem Kollektivversagen der Zivilgesellschaft und staatlicher Behörden. „Es war erschreckend zu sehen, wie 120 Leute mit Fackeln und nicht mit Laternen vom Thinghaus aus durch die Stadt ziehen konnten“, so Krug.

Beim Umzug vorne mit dabei gewesen seien der NPD-Kreistagsabgeordnete David Böttcher und der mehrfach vorbestrafte Sven Krüger. Letzterer war 2011 vom Landgericht Schwerin wegen Hehlerei und unerlaubten Waffenbesitzes zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Seit Anfang dieses Jahres soll er wieder auf freiem Fuß sein.

Kritik übt Lisa Krug an der Polizei. Nicht die Beamten, sondern eigens eingeteilte Ordner hätten den Schutz der Veranstaltung übernommen. „Während der Aufzug in Formation durch den Stadtkern von Grevesmühlen marschierte, kontrollierten einige der eingesetzten Beamten lieber die Funktionsweise der Kaffeemaschine an einer örtlichen Tankstelle oder lasen Zeitung in ihren Einsatzfahrzeugen“, so Lisa Krug. Nach einer Stunde sei „der als Lampionumzug getarnte Fackelmarsch wieder zum Thinghaus zurückgekehrt“. Dort hatte an dem Sonntag unter Schirmherrschaft des NPD-Kreisverbandes Nordwestmecklenburg ein Tag der offenen Tür stattgefunden.

Der Wismarer Polizeisprecher André Falke weist die Kritik der Aktivistengruppe als überzogen zurück. Er verweist darauf, dass 70 Einsatzkräfte vor Ort waren, um ein Konzert im so genannten Thinghaus zu verhindern. Die Beamten überprüften 250 Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Von diesen waren 58 bereits polizeilich in Erscheinung getreten, so unter anderem mit politisch motivierten Straftaten. „Wir hätten diese Kontrollen zu dem Zeitpunkt nicht abbrechen können. Ansonsten hätte es passieren können, dass dieses Konzert stattfindet“, so Falke.

Das Ordnungsamt Grevesmühlen hatte zuvor den Auftritt eines rechten Liedermachers untersagt. Michael „Lunikoff“ Regener sollte im „Thinghaus“ ein Konzert geben. Regener war einst Sänger der inzwischen verbotenen Rechtsrock-Band „Landser“ und gilt als eine Kultfigur in der Neonaziszene.

Grünes Licht hatte das Ordnungsamt Grevesmühlen hingegen für den Laternenumzug gegeben, wie Stadtsprecherin Regina Hacker auf SVZ-Anfrage erklärte. Die Route des Fackelmarsches führte unter anderem vom Grünen Weg aus durch die Mühlenstraße vorbei Am Lustgarten, den Kinogang, dem Sparkassenplatz, die Rudolf-Breitscheid-Straße und die Pelzerstraße. Dabei wurden die Teilnehmer nach SVZ-Informationen durch die Polizei beobachtet.

Es war nicht das erste Mal, dass die Polizei Kontrollen an den Anfahrtswegen zum „Thinghaus“ in Grevesmühlen vorgenommen hat. Polizeisprecher André Falke kündigt weitere Aktionen an: „Das so genannte Thinghaus bleibt in unserem Fokus“, betont der Sprecher der Polizeiinspektion Wismar.


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