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Fachleute identifizieren Leichen aus gestohlenen Särgen

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erstellt am 24.Okt.2012 | 06:16 Uhr

Posen/Frankfurt | Die zwölf Toten sollten in ein Krematorium gebracht werden, am Ende lagen ihre Särge einfach im Wald. Die in Polen entdeckten Leichen aus einem bei Berlin gestohlenen Transporter sollen nun identifiziert und möglichst rasch bestattet werden. Gestern reisten deshalb Kriminalisten aus Brandenburg nach Posen (Poznan). Es sei sehr wahrscheinlich, dass es die zwölf Toten seien, die mitsamt dem Transporter vor mehr als einer Woche in der Nähe von Berlin gestohlen wurden, sagte Jens Starigk von der Polizei in Frankfurt (Oder). Gewissheit soll eine Identifizierung in der Gerichtsmedizin in Posen bringen, wo Zahnstatus und andere Merkmale verglichen werden.

Entsprechende Listen seien mit den Angehörigen erstellt worden. Denen bleibt laut Polizei eine Reise nach Polen erspart - sofern sie es nicht wollen. Die Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft in Polen sagte, dass mit der Leichenschau nicht begonnen werde, solange nicht klar sei, ob die Angehörigen dabei sein wollten. "Sie haben das Recht dazu. Sobald die entsprechenden Informationen vorliegen, können wir mit den Untersuchungen anfangen." Es müsse auch geprüft werden, ob sich jemand an den Särgen oder Leichen zu schaffen gemacht habe.

Die Särge mit den Toten hatten in einem Transporter gelegen, der in der Nacht zum 15. Oktober in Hoppegarten an der Berliner Stadtgrenze gestohlen worden war. Es sei weiter davon auszugehen, dass es die Täter nicht auf die Leichen abgesehen hätten, sagte Starigk. Die Särge wurden am Dienstag rund 85 Kilometer von Posen entfernt bei Krolikow in einem Wald entdeckt, der Transporter einen Tag zuvor an einem anderen Ort. Die Täter hatten insgesamt drei Wagen gestohlen, zwei sind mittlerweile in Polen aufgetaucht. Außerdem wurden bereits drei Verdächtige festgenommen. Die Ermittler suchen nach zwei weiteren Komplizen.

Rüdiger Kußerow von der Bestatter-Innung Berlin und Brandenburg erneuerte seine Kritik an den Umständen des Transports. Es sei "unfassbar", dass gleich zwölf Leichen in dem Wagen lagen. "Das bringt unsere Branche in Verruf." Der Geschäftsführer des betroffenen Bestattungsfahrdienstes, Mirko Wiedermann, dagegen betonte: "Das ist ein zugelassenes Auto für zwölf Verstorbene." Sein Unternehmen stehe in Kontakt mit der Polizei, um nach der Identifizierung die Leichen nach Deutschland transportieren zu können - auf Unternehmenskosten. Er zeigte sich erleichtert, dass die Behörden rasch ermittelt hätten.

Im überwiegend katholischen Polen fühlte sich manch einer peinlich berührt. Im Internet kursierten Kommentare wie "Was werden die Deutschen jetzt von den Polen denken" oder "So ein Diebstahl wirft ein schlechtes Bild auf Polen."

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