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12. Dezember 2017 | 05:42 Uhr

Exotische Tiere im Bürokratie-Dschungel

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 09:59 Uhr

In Deutschland besteht grundsätzlich ein Haltungs und-Vermarktungsverbot für besonders geschützte Tierarten. Aber Deutschland wäre nicht ein Papierstaat, wenn es nicht für jede Regelung eine Ausnahme gäbe. "Unter bestimmten Voraussetzungen ist der Erwerb und die Haltung der besonderen Tiere doch möglich", sagt Bernd Presch vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) Mecklenburg Vorpommern in Güstrow.

Dazu müssen zwei Bedingungen erfüllt werden: Besitzer von Exoten erbringen dem Lung einen Nachweis für die rechtmäßige Herkunft des Tieres einer besonders zu schützenden Tierart wie z.B. der Griechischen Landschildkröte. Gleichzeitig werden die Tiere beim Lung gemeldet und dürfen auch dann erst - rechtlich gesehen - gehalten werden.

Die Meldepflicht gilt zunächst nur für besonders geschützte Wirbeltiere. Wer sich also eine Vogelspinne zulegt, braucht sie in Deutschland nicht anzumelden. Lediglich der Nachweis des legalen Erwerbs (z.B. Rechnung der Zoohandlung) sollte für den Fall einer Kontrolle aufbewahrt werden.

Die durch Handelsaktivitäten gefährdeten Arten wiederum werden nach dem Grad der Gefährdung in verschiedene Schutzkategorien eingeteilt. Diesee sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (WA) als Völkerrecht verbindlich (siehe Hintergrund). Der Handel mit den Tieren und Pflanzen soll so weit kontrolliert werden, dass das Überleben von wild lebenden Arten nicht gefährdet wird. Dabei können das Abkommen und die Verordnung jedoch voneinander abweichen. "Europa als Institution möchte bestimmte Arten noch stärker schützen und erweitert das WA um diese Tiere", erklärt Bernd Presch.

Der Schutz der nicht in der EG-Verordnung gelisteten Arten ist durch das Bundesnaturschutzgesetz geregelt und ergänzt es um zu schützende heimische Tier- und Pflanzenarten. "Das Bundesnaturschutzgesetz legt fest, welche Gruppen von Tieren und Pflanzen zu den besonders geschützten Arten gehören und es regelt die Verbote und die Ausnahmen im Umgang mit diesen Arten", sagt der Experte. Und die Bundesartenschutzverordnung benennt die besonders und streng geschützten Arten einzeln.

Viele Vogelarten, insbesondere Papageien und Greifvögel, fast alle Säugetiere und viele Schildkröten, Schlangen und Echsen, müssen individuell kenntlich gemacht werden. Für Vögel seien dies Ringe an den Füßen, Säugetiere, wie z.B. Katta und viele andere Kleinaffen, müssten mit einem Transponder markiert werden, erzählt Presch.

Dabei gehe es darum, die Tiere zu individualisieren und eindeutig zu beschreiben. "Dies kann auch einen positiven Aspekt haben, sollten die Tiere ausbüchsen", meint Presch. Für besonders geschützte Tiere ohne Kennzeichnungspflicht, wie fast alle Chamäleons, gelte aber dennoch die Anmeldepflicht und so der Nachweis des legalen Erwerbs. Jegliche Bestandsveränderung - Zuwachs, Verkauf, Tod - muss dem Lung gemeldet werden. Nur so könne der Handel mit den Exoten kontrolliert und die Gefährdung der Arten eingedämmt werden.

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