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20. November 2017 | 13:05 Uhr

"Euphorisches Überblasen" mit "Wulffuzelas"

vom

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2012 | 08:21 Uhr

Berlin | Es war buchstäblich ein Abschied mit Pauken und Trompeten – und Bettina Wauschke findet, Christian Wulff hat es nicht anders verdient. Mit Hunderten anderen Demonstranten kam die Berlinerin gestern Abend zum Schloss Bellevue, um beim Großen Zapfenstreich für Wulff zu demonstrieren. Mit Trompeten, Trillerpfeifen und Vuvuzelas standen sie rund ums Schloss und überzogen die Zeremonie im abgeriegelten Park gut eine Stunde lang mit einem Lärmteppich.

Wauschke hatte keinen weiten Weg zu der spontanen Kundgebung, sie wohnt gleich neben dem Präsidentensitz. Deshalb zog sie sich mit drei Nachbarinnen ein Engelskostüm an und steht am Abend schimpfend vor einer Polizeiabsperrung. Wulff sei ein „Trotzkopf“, der störrisch wie ein kleines Kind nicht zurücktreten wollte, sagt sie. „Er hat selbst bei seiner Abschiedsrede nicht gecheckt, dass die Bevölkerung seit Wochen gegen ihn war“, sagt Wauschke . Keine fünf Minuten später strömen immer mehr Menschen herbei, überrumpeln die zahlenmäßig unterlegene Polizei und beginnen, am Ufer der Spree Lärm zu machen.

Ein knapper Aufruf im Internet war der Anfang: Der Journalist Mario Sixtus setzte die Idee zum Protest am 24. Februar über den Kurznachrichtendienst Twitter in die Welt – eine Bekannte verbreiteten den Aufruf über das soziale Netzwerk Facebook. Schon am Nachmittag hatten mehr als 4000 Nutzer auf „Gefällt mir“ geklickt. Sixtus sagte mit ironischem Unterton: „Wenn ein so geschätzter Ex-Präsident wie Wulff verabschiedet wird, sollte sich das Volk daran beteiligen.“ Es wäre doch „schade, wenn nur ausgewählte Soldaten Wulff den Marsch blasen dürfen“. Der Plan der anderen Aktivisten: den Zapfenstreich mit einem „langsamen Unterblasen des Fackelzuges“ zu begleiten. Dies solle sich steigern bis zum „euphorischen Überblasen“ der Veranstaltung auf dem aus Südafrika stammenden Instrument, das in Deutschland zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 bekannt wurde. Auf diversen Internetseiten folgte ein Kommentar zu den Vuvuzela-Protesten dem nächsten: Jemand schuf die Wortkreation „Wulffuzelas“.

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