Essgewohnheiten in MV: Viel Limonade und wenig Fisch

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30. Dezember 2008, 02:45 Uhr

Schwerin - Mecklenburger und Vorpommern schleppen erneut zu viele Pfunde mit ins neue Jahr. Neben Bewegungsmangel ist dafür vor allem die Ernährungsweise verantwortlich, wie die Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie belegen. Im Nordosten steht demnach vergleichsweise wenig Müsli auf dem Tisch, dafür wird besonders viel Brot verzehrt - meist auch noch dick bestrichen mit Butter. Der Studie zufolge gehört Mecklenburg-Vorpommern trotz seiner Küstenlage zudem zu den Bundesländern, in denen am wenigsten Fisch konsumiert wird. "Da muss sich etwas ändern", meint deshalb auch Ärztin Sabine Voermans, die bei der Techniker Krankenkasse für Gesundheitsmanagement zuständig ist. Am besten gleich im neuen Jahr, mit der Umsetzung guter Vorsätze.

Untersuchungen zufolge gehört Mecklenburg-Vorpommern neben den anderen nordostdeutschen Ländern zu den Regionen in Deutschland mit dem höchsten Anteil fettleibiger Menschen. Das Problem "Übergewicht" beginne dabei häufig schon bei Kindern, hebt Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) hervor. So habe sich bei Schuleingangsuntersuchungen gezeigt, dass etwa jedes siebte Kind zu dick war. Schwesig forderte Eltern, Erzieherinnen und Lehrer auf, Kindern gute Beispiele zu geben - auch und gerade bei der Ernährung.

Die Realität scheint jedoch noch eine andere zu sein. Laut Studie verzehren Männer in Mecklenburg-Vorpommern pro Tag durchschnittlich 223 Gramm Brot. Das ist hinter Bremen (231 Gramm) der zweiten Platz. Die Frauen liegen mit 141 Gramm auf Platz drei unter den 16 Bundesländern. Mit 17 Gramm pro Tag ist der Müsli-Konsum der Männer im Nordosten bundesweit am geringsten, Frauen liegen mit 20 Gramm pro Tag nicht viel besser. Im nahen Hamburg sind es hingegen 52 Gramm Müsli, ebenjene Menge, die Männer in Mecklenburg-Vorpommern täglich an Butter oder Margarine verbrauchen - ebenfalls bundesdeutscher Spitzenwert.

Obwohl oft fangfrisch verfügbar, gehört der wegen seiner Inhaltsstoffe besonders gesunde Fisch im Nordosten nicht zur Grundversorgung. Die Studie ergab, dass Frauen im Land mit durchschnittlich 9 Gramm pro Tag die größten Fischverächter sind und damit auch auf wichtige Fettsäuren verzichten. Frauen in Hamburg essen doppelt so viel Fisch.

Anders als Wasser erfreuen sich kalorienreiche Erfrischungsgetränke in Mecklenburg-Vorpommern besonders großer Beliebtheit. Der Limonadenkonsum der Männer ist mit 327 Gramm pro Tag bundesweit der höchste, der Wasserverbrauch mit 777 Gramm hingegen im Ländervergleich der geringste. Frauen im Saarland trinken mit 1415 Gramm pro Tag fast das Doppelte. Der Bierkonsum liegt der Studie zufolge im Nordosten mit einer Flasche pro Tag bei Männern im Durchschnitt, der Weingenuss aber mit 24 Gramm Tag deutlich darunter.

Medizinerin Voermans rät, die Essgewohnheiten zu überdenken. Die Technik in Beruf und Alltag verführe zu Bewegungslosigkeit, damit deutlich weniger Kalorien verbraucht. "Rasenmäher haben heute einen Antrieb, Wäschetrockner ersparen das Aufhängen und Fernbedienungen das Aufstehen", erklärt sie. Zwar dürfe der Körper nach einer Anstrengung belohnt werden, "von mir aus auch mit einem Stück Schokolade oder einer Bratwurst". Wichtig sei nur, dass die Balance stimme. Zudem stimme es längst nicht mehr, dass gesund gleich Genussverzicht bedeute.

Für die Verzehrstudie waren 2005 und 2006 im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung in 500 zufällig ausgewählten Gemeinden 20 000 Personen zwischen 14 und 80 Jahren befragt worden. Der Ergebnisbericht wurde Mitte 2008 veröffentlicht. In Mecklenburg- Vorpommern wurden Befragungen in Pampow, Dobbertin, Dabel, Rostock, Güstrow, Anklam, Bad Doberan, Ludwigslust, Wismar und Schwerin durchgeführt.

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