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17. November 2017 | 20:32 Uhr

"Es bleibt kaum Reaktionszeit"

vom

svz.de von
erstellt am 11.Mär.2011 | 07:57 Uhr

Mit Dr. Heiko Woith vom Geoforschungszentrum Potsdam, Sektion Erdbebenrisiko und Frühwarnung, sprach Christoph Slangen über das Beben.

Das verheerende Beben vor der japanischen Küste ruft die Erinnerung an die Verwüstungen durch den Tsunami von 2004 wach. Kann der Mensch sich nicht rechtzeitig vor solchen Naturereignissen in Sicherheit bringen, sind sie nicht vorhersagbar?

Woith: Wir können Erdbeben nicht vorhersagen. Wir können Wahrscheinlichkeiten angeben, dass sich ein Beben ereignet. Aber zur exakten Bestimmung, wann, wo und wie stark es auftritt, sind wir heutzutage leider noch nicht in der Lage.

Die Region vor Japan zählt aber zu den besonders gefährdeten?

Absolut. Sie gehört zum pazifischen "ring of fire", dem Feuergürtel. Die gesamte pazifische Region wird immer wieder von starken Erdbeben heimgesucht. Die Stärke dieses Bebens mit 8,9 ist allerdings außergewöhnlich. Man rechnet weltweit mit einem Beben jährlich mit der Magnitude von acht oder mehr. So ein Beben ist ein sehr seltenes Ereignis.

Mit welchen Auswirkungen muss noch gerechnet werden?

Es besteht weiterhin die konkrete Gefahr von starken Nachbeben. In den nächsten Wochen und Monaten wird es Nachbeben geben. Sie werden zwar von Tag zu Tag weniger stark ausfallen. Doch es gibt eine Faustregel, nach der das stärkste Nachbeben immer noch einen Wert von einer Magnitude unterhalb des Hauptbebens erreichen kann. Bei einem so starken Beben wie jetzt bedeutet das, dass noch ein Beben der Stärke sieben bevorstehen kann. Das wäre ein gewaltiges Nachbeben, das in Japan weitere Schäden an Häusern oder Industrieanlagen anrichten kann. An der japanischen Küste ist der erste Tsunami durch, rings des Pazifiks sind noch Schäden zu erwarten. Das Pacific Tsunami Warning Center in Hawaii aktualisiert die Warnungen permanent.

Welche Möglichkeiten der Vorbeugung gibt es?

Naturereignisse mit all ihren Gefahren für Leib und Leben kann man nicht verhindern. Man kann nur versuchen, sich zu schützen, so gut es geht - und in dem Maß, in dem es einer Gesellschaft auch finanziell möglich ist. Die Gesellschaft muss das Restrisiko abwägen, dass sie bereit ist zu tragen. Wollte man gar kein Tsunami-Restrisiko, dürfte man die Küstenstriche nicht besiedeln. Das ist in der Praxis nicht machbar. Das wäre weltfremd. Es bleibt nur ein Tsunami-Frühwarnsystem. Das haben die Japaner auch längst aufgebaut. Und natürlich: Erdbebensicher zu bauen ist das erste Erfordernis. Das machen die Japaner in großem Ausmaß. Sie sind da sehr gut vorbereitet.

Doch die Folgen sind verheerend...

Es ist eine unglückliche Kombination. Das Beben war extrem stark und relativ dicht vor der Küste. Es bleibt kaum Reaktionszeit.

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