Erwerbslosenzahl im Dezember gestiegen - höchste Quote bundesweit

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03. Januar 2008, 02:12 Uhr

Kiel/Schwerin - Die Zahl der Arbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern ist im Dezember saisonbedingt leicht um 3900 auf 133 800 gestiegen. Im Vorjahresvergleich sank sie jedoch um 21 300, wie die Regionaldirektion Nord der Agentur für Arbeit am Donnerstag in Kiel mitteilte. Die Arbeitslosenquote betrug 15,1 Prozent, zum Ende des Vorjahres lag sie noch bei 17,6 Prozent. Trotz geringster Dezember-Arbeitslosigkeit seit 1994 Jahren bleibt Mecklenburg-Vorpommern aber das Schlusslicht in der Länderstatistik.

Während Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) von einem anhaltenden Wirtschaftswachstum im Land ausgeht, warnen Arbeitgeberverbände vor zu großem Optimismus bei der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen. Gewerkschaften sehen noch keine "gesunden Strukturen" auf dem Arbeitsmarkt.

"Enorme Dynamik" im norddeutschen Arbeitsmarkt

Friedhelm Siepe von der Regionaldirektion Nord der Agentur für Arbeit sprach von einer "enormen Dynamik" und einer positiven Gesamtentwicklung auf dem nordostdeutschen Arbeitsmarkt. Viele Menschen, die im vergangenen Jahr arbeitslos geworden seien, hätten es wieder sehr schnell geschafft, ins Berufsleben zurückzukehren. Davon zeugten die sehr hohen Zahlen der Zu- und Abgänge.

Gesundheitswesen hui, Versicherungsgewerbe pfui

Im Jahresvergleich sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 1,8 Prozent auf 523 200 gestiegen. Der Zuwachs liege knapp unter dem Durchschnitt der neuen Länder (1,9 Prozent). Neue Jobs entstanden vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen, im Bereich Erziehung und Ausbildung sowie im Gastgewerbe. Einen Arbeitsplatzabbau meldeten das Kredit- und Versicherungsgewerbe sowie die Bereiche Verkehr und Nachrichtenübermittlung.

Mehr Erfolge durch Erweiterungen als durch Neuerrichtung

2007 seien mehr Arbeitsplätze mit Erweiterungen geschaffen worden als mit Neuerrichtungen von Produktionsstandorten, sagte der Wirtschaftsminister. Im Jahr davor sei das Verhältnis noch umgekehrt gewesen. Für die Zukunftsfähigkeit der gewerblichen Wirtschaft kommt laut Seidel auf Forschung und Entwicklung eine Schlüsselrolle zu. Hier gebe es noch Nachholbedarf. Mecklenburg-Vorpommern brauche eine stärkere Orientierung "auf wissensbasierte Arbeitsplätze".

Unternehmensverbände: Solides Wachstum in 2008

Die Vereinigung der Unternehmensverbände des Landes geht ebenso wie Seidel auch 2008 von einem soliden Wirtschaftswachstum aus. Es gebe eine hohe Investitionsbereitschaft. Zudem würden steigende Umsätze erwartet. Allein bei der Frage nach mehr Beschäftigung seien die Unternehmen laut einer Umfrage jedoch "eher zurückhaltend", sagte Lothar Wilken von der Hauptgeschäftsführung der Dachorganisation der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände. Für den Fall moderater Lohnsteigerungen und geringfügiger staatlicher Vorgaben rechnete er jedoch mit bis zu 10 000 neuen Arbeitsplätzen.

Kommt der Aufschwung an?

Gewerkschaftssprecher Ingo Schlüter kündigte an, dass in das Thema "Mindestlöhne 2008 noch reichlich Bewegung kommt". Es müsse Menschen ermöglicht werden, "von ihrer Hände Arbeit leben zu können", sagte der stellvertretende Vorsitzende des DGB Nord. In dieser Hinsicht sei auf dem Arbeitsmarkt noch immer "kein Aufbau gesunder Strukturen" gelungen. Die Zahl der Ein-Euro-Jobs sei weiter gestiegen, im Land lebten mehr als 68 000 Menschen ausschließlich von geringfügig entlohnter Beschäftigung. Der Bereich Leiharbeit überflügele zum Teil die reguläre Arbeit. Das erkläre auch, weshalb viele meinten, der Aufschwung sei bei ihnen nicht angekommen.

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