Erste Hilfe: Sofort reanimieren

Nachgefragt bei Dr. Peter Szigat, Oberarzt am Klinikum Karlsburg
Nachgefragt bei Dr. Peter Szigat, Oberarzt am Klinikum Karlsburg

svz.de von
20. Juni 2012, 10:12 Uhr

Wie sollten sich Angehörige oder zufällige Zeugen bei Verdacht auf einen Herzinfarkt verhalten?

Dr. Szigat: Es ist lebensrettend, wenn die Ersthelfer nach Anrufen der Notrufnummer 112 sofort mit der Reanimation eines Bewusstlosen beginnen. Leider haben zu viele Menschen Angst davor, etwas falsch zu machen. Dabei schadet nur die Untätigkeit. Bis zum Eintreffen des Rettungswagens - in der Regel in zehn Minuten - muss unbedingt eine Herzdruckmassage erfolgen.

Pro Tag werden in Deutschland rund 400 Menschen außerhalb von Kliniken wiederbelebt - aber nur jeder Zehnte bleibt tatsächlich am Leben. Greifen Passanten rechtzeitig ein und beginnen sofort mit der Wiederbelebung, steigt die Überlebenschance des Patienten um das Zweieinhalbfache.

Die Erste-Hilfe-Maßnahmen, die auch international gelten, wurden durch die neuen Vorgaben der American Heart Association sogar vereinfacht: Laien sollten sich nach dem Verständigen der Rettungskräfte auf eine richtig durchgeführte Herzdruckmassage konzentrieren, eine Beatmung ist zweitrangig. Neueste Erkenntnisse haben zu dieser Änderung geführt: Durch Studien ist belegt, dass die ununterbrochene Herzmassage die wichtigste Maßnahme einer erfolgreichen Wiederbelebung ist. Leider wird in Filmen und Serien häufig eine Herzdruckmassage nicht richtig dargestellt.

Im Infarkt sterben Teile des Herzmuskels ab. Können sie sich regenerieren?

Der Herzmuskel kann sich in aller Regel nicht regenerieren. Durch Sauerstoffmangel stirbt bei einem Infarkt ein Teil der Zellen ab, das Gewebe vernarbt, wird unelastisch und verliert seine Leistungsfähigkeit. Weltweit wird derzeit daran geforscht, mittels Stammzellen das Muskelgewebe zu reparieren. Denn Forscher entdeckten vor wenigen Jahren, dass es primitive Zellen im Herzmuskelgewebe gibt, die sich teilen und erneuern können. Allerdings ist diese Fähigkeit sehr begrenzt. Bei großen Schädigungen lässt sich der Gewebeausfall durch Stammzellen bislang nicht abpuffern. Wichtig ist aber: Je früher der Infarkt festgestellt wird, umso größer sind die Chancen, dass sich das Herz erholt. Innerhalb der ersten vier Stunden nach einem Gefäßverschluss sind die Aussichten, dass sich das Herz nahezu vollständig erholt, sehr gut.

Mit welcher verminderten Herzleistung kann man noch leben?

Mit der sinkenden Herzleistung nimmt die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit des Menschen und natürlich die Lebensqualität ab. Mit Medikamenten und modernen Therapieverfahren kann heute ein Mensch mit 20 und 30 Prozent Herzleistung meist noch den Alltag meistern, wobei individuell auch deutliche Unterschiede zu beobachten sind. Die Lebenserwartung hat sich aber insbesondere durch implantierbare Aggregate wie Defibrillatoren und Herzunter stützungssysteme deutlich verlängert.

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