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18. Oktober 2017 | 02:12 Uhr

Christoph 39 : Erste Frau fliegt ADAC-Hubschrauber

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Melanie von Allwörden ist die bundesweit erste Pilotin und in Perleberg stationiert

Fallschirmspringen zählt sie zu ihren Hobbys, Flugangst kennt sie nicht und das Steuern eines Hubschraubers ist für sie ein Kinderspiel: Vor Melanie von Allwörden würde wohl so mancher gestandene Mann den Hut ziehen. Beruflich hat die 34-Jährige nun eine Männerdomäne geknackt – als deutschlandweit erste Frau ist sie allein verantwortliche Hubschrauberpilotin des ADAC. Stationiert ist sie bei der Luftrettung in Perleberg.

Den letzten Prüfungsflug in Begleitung, „Line-Check“ genannt, hat sie erfolgreich bestanden, seit vergangener Woche sitzt sie nun allein am Steuer des Rettungshubschraubers Christoph 39, fliegt Notarzt und Rettungsassistent zum Einsatzort. Mit ihrer Arbeit beim ADAC hat Melanie von Allwörden beruflich einen ganz neuen Weg eingeschlagen: Gelernt hat sie Polizeihauptkommissarin bei der Polizei Hamburg. „Eine Leidenschaft für die Fliegerei hatte ich aber schon von Kindesbeinen an“, erzählt sie. „Ursprünglich wollte ich Lufthansa-Pilotin werden, aber das hat nicht geklappt.“ Dafür ermöglichte ihr die Hamburger Polizei eine Ausbildung zur Hubschrauberpilotin. „Ich bin auch heilfroh, dass das so gekommen ist“, findet sie im Nachhinein. „Einen Hubschrauber zu steuern, macht einfach mehr Spaß, weil noch alles von Hand bedient werden muss. In Flugzeugen übernimmt viele Arbeitsschritte ja der Computer.“

Für die Polizei in der Hansestadt flog sie sieben Jahre und absolvierte rund 1400 Flugstunden, bevor sie die Möglichkeit bekam, zum ADAC zu wechseln. „Bei uns war eine Stelle frei, einer unserer Piloten ist vor kurzem nach Süddeutschland gewechselt“, erzählt Perlebergs Stationsleiter Marian Lindner. Mit der neuen, weiblichen Verstärkung hat die Rettungscrew nun wieder drei Piloten, zusätzlich arbeiten dort vier Assistenten und elf Notärzte. Dienstbeginn ist für Melanie von Allwörden bei Sonnenaufgang, Feierabend bei Sonnenuntergang. Nachts bleibt Christoph 39 auf dem Boden. Im Winter arbeitet sie so sieben, im Sommer vier Tage hintereinander. Weil die junge Frau in der Nähe von Hamburg wohnt, hat sie sich in Perleberg ein Zimmer gemietet, an ihren freien Tagen fährt sie nach Hause.

Seit ihrem Arbeitsantritt vor gut einer Woche ist sie neun Einsätze eigenverantwortlich geflogen. Der größte Reiz an dem Pilotenberuf sei für sie das Unvorhersehbare: „Jeder Einsatz ist anders, Langeweile gibt es nicht. Eine Herausforderung ist es auch immer wieder, einen geeigneten Landeplatz zu finden. Der sollte möglichst nah am Unfallort sein. Man braucht dafür aber mindestens einen Radius von 15 bis 16 Metern.“

Dass es hier schon mal eng werden kann, hat Melanie von Allwörden erlebt, als sie noch in Begleitung flog. „Ich musste mitten in der Stadt auf einem Rasenstreifen neben einer Bushaltestelle landen. Hat aber geklappt.“ Zu entscheiden, wo sie landen kann, gehört zu den wichtigsten Aufgaben in ihrem Beruf. Am Einsatzort unterstützt sie den Notarzt und den Assistenten beim Versorgen der Patienten oder sichert den Hubschrauber und den Landeplatz.

Zusammen mit der Co-Pilotin Sandra Hohner, die in Ingolstadt Einsätze begleitet, ist Melanie von Allwörden die einzige weibliche Luftfahrzeugführerin im Dienste der „Gelben Engel“. Bundesweit sind rund 150 Piloten für den ADAC im Einsatz. Warum es kaum Pilotinnen gibt, kann die 34-Jährige nicht verstehen. „Frauen sind für den Beruf sogar sehr geeignet. Es ist keine körperlich schwere Arbeit und eine geringe Körpergröße ist sogar ganz praktisch, denn der Innenraum eines Hubschraubers ist sehr klein.“ Dass es ihr Traumberuf ist, weiß sie mit Sicherheit. „Ich würde gerne so lange als Pilotin arbeiten, wie es geht. Am liebsten, bis ich 60 bin.“

(Erschienen am 15.02.2012)

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