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19. November 2017 | 19:04 Uhr

Erst Undercover-Agentin, jetzt Covergirl

vom

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2012 | 10:13 Uhr

Berlin | Spionage, Agenten, Austausch: Das klingt nach gestern. Ist es aber nicht. Hier ein paar aktuelle Fälle.

Fall 1: Zwei mutmaßliche Spione für einen syrischen Geheimdienst sitzen derzeit in Berlin in Untersuchungshaft. Am Mittwoch wurden ihnen die Haftbefehle verkündet. Die Männer sind dringend verdächtig, seit Jahren in Deutschland lebende Oppositionelle beobachtet und ausgeforscht zu haben.

Fall 2: Die Sicherheitsbehörden haben im Dezember ein mutmaßliches russisches Agentenpaar festgenommen, das seit mehr als 20 Jahren in Deutschland spioniert haben soll. Das Paar sei 1990 mit falscher Identität über Mexiko nach Deutschland eingereist, berichtete der "Focus". Mit einem Kurzwellensender hätten die beiden verschlüsselte Nachrichten an Moskau abgesetzt. Nach einem Geheimdienst-Hinweis aus den USA seien die Verdächtigen ins Visier der deutschen Ermittler geraten.

Fall 3: Beim größten Agentenaustausch seit Ende des Kalten Krieges haben vor eineinhalb Jahren 14 Spione aus Russland und den USA die Seiten gewechselt. Die aufwendige Operation am Wiener Flughafen dauerte rund eine Stunde. Beobachter gingen davon aus, dass die Agenten im Transitbereich oder in einem Fahrzeug übergeben worden sind - also ohne offiziell österreichischen Boden zu betreten.

An Bord damals: Anna Chapman. Seit dem Austausch bastelt die ehemalige Spionin an ihrer Karriere.

Bereits kurz nach der Enttarnung des Agentenrings stand der russische Ministerpräsident auffällig Pate. Wladimir Putin traf sich gleich nach ihrer Rückkehr mit den Spionen und versprach, dass der Staat sie nicht fallen lasse. Und obwohl die Truppe des Auslandgeheimdienstes SWR in Übersee wenig erfolgreich gewesen sein soll, verlieh ihr Kremlchef Dmitri Medwedew einen Orden. Chapman bedankte sich artig. Als später der "Playboy" wegen Nacktfotos anfragte, erteilte sie dem US-Magazin - ganz Patriotin - eine Absage. Zum Covergirl wurde die Ex-Undercoveragentin erst beim russischen Männermagazin "Maxim".

In London begann der schier unaufhaltsame Aufstieg der in Wolgograd geborenen Anna Wassiljewna Kuschtschenko. Als Wirtschaftsstudentin in England heiratete sie 2001 den Psychologen Alex Chapman. Nach der Scheidung 2006 zog Anna nach New York und arbeitete als Maklerin - offiziell.

Nach der Enttarnung stürzte sich die Presse auf Details über "Moskaus Mata Hari", die perfekt dem verbreiteten Klischee einer männermordenden Kreml-Agentin entspricht. Warum in aller Welt die USA eine solche Frau ausgetauscht hätten, fragte Talk-Legende Jay Leno in seiner Show. Vize-Präsident Joe Biden antwortete: "Glaub mir, Jay - meine Idee war das nicht."

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