Erneut Schafe gerissen - Wölfe im Landkreis Ludwigslust vermutet

Schäfermeister Siegmar Wendelberger mit einem der gerissenen Tiere.
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Schäfermeister Siegmar Wendelberger mit einem der gerissenen Tiere.

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09. Januar 2008, 07:15 Uhr

Woosmer - Wölfe sollen im Landkreis Ludwigslust erneut Schafe gerissen haben. Wie Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch mitteilte, stammten die Schafe aus einem Zuchtbetrieb in Woosmer. Wie schon im April 2007, als der Halter vier Mutterschafe und acht Lämmer verlor, habe sich der Vorfall in einem Pferch an dem Flüsschen Rögnitz ereignet. In der Nacht zum Mittwoch seien ein Mutterschaf und etwa zehn Jungtiere gerissen oder verletzt worden.

Laut Backhaus fehlt zwar noch der exakte Nachweis, dass Wölfe die Angreifer waren und nicht etwa verwilderte Hunde. Doch würden Schadenersatzforderungen des Schäfers „wohlwollend geprüft“. Ein Gentest soll Klarheit bringen. Nach Angaben des Ministers hat auch ein Schäfer aus dem früher zu Mecklenburg-Vorpommern und heute zu Niedersachsen gehörenden Preten (Amt Neuhaus) Tierverluste gemeldet, die vermutlich durch Wölfe verursacht wurden. Die Herde hatte auf mecklenburgischem Territorium geweidet.

Backhaus betonte, dass der Wolf für Menschen keine Bedrohung darstelle: „Es besteht überhaupt kein Grund zur Panik“. Der Minister forderte Tierhalter jedoch auf, geeignete Schutzvorkehrungen zu treffen. „Nachts sollten die Schafe in Problemgebieten wie zwischen Lübtheen und der Elbniederung in Gattern oder Ställen so untergebracht sein, dass ein Wolf keinen Zugang findet. Dies kann bereits durch unter Strom gesetzte Maschendrahtgatter erreicht werden“, erläuterte der Minister.

Etwa 150 Jahre lang galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet. In der jüngeren Vergangenheit waren aber Wölfe aus Polen auch wieder nach Westen vorgedrungen. In der Lausitz soll es inzwischen vier Rudel geben, die auch für Nachwuchs sorgten. Wenn die Jungtiere im zweiten Jahr nach der Geburt geschlechtsreif werden, verlassen sie das elterliche Rudel.

Studien zufolge wandern Wölfe dann bis zu 1100 Kilometer weit und können demzufolge auch leicht bis nach Mecklenburg-Vorpommern gelangen. Nach Einschätzung der Experten vom Wildbiologischen Büro „Lupus“ können sich Wölfe in etlichen Gegenden Deutschlands heimisch fühlen. Unter anderem in der Lüneburger Heide, im Schiefergebirge und im Thüringer Wald. Viel Platz für den Einwanderer biete auch Mecklenburg-Vorpommern mit ausreichend störungsarmen und wenig genutzten Flächen.

In der Lübtheener Heide im Landkreis Ludwigslust war im November 2006 ein frei lebender Wolf gesehen worden. Das Gebiet mit einem Truppenübungsplatz, wo schon in den 1980er Jahren zwei Wölfe geschossen worden waren, bietet nach Ansicht von Fachleuten vergleichbare Lebensverhältnisse wie die Muskauer Heide in Sachsen, wo seit Jahren Wölfe ansässig sind.

Die Wiederbesiedlung bleibe trotz spektakulärer Berichte ein langsamer Vorgang, hob Backhaus hervor. Ein Angebot, die wissenschaftlichen Grundlagen für ein „Wolfsmanagement“ zu erarbeiten, liege bereits vor. „Unsere gemeinsame Verpflichtung und Ziel eines Wolfsmanagements in Mecklenburg-Vorpommern muss es sein, solche Bedingungen zu schaffen und Vorkehrungen zu treffen, die mögliche Konflikte so gering wie möglich halten. Schließlich soll die Rückkehr der Wölfe große Akzeptanz auch bei der ortsansässigen Bevölkerung finden.“

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