Erleuchtung für den Papst

Mitarbeiter von „Thermovolt“ auf dem Dach der  Audienzhalle von Papst Benedikt XVI. Fotos: privat
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Mitarbeiter von „Thermovolt“ auf dem Dach der Audienzhalle von Papst Benedikt XVI. Fotos: privat

Der Vatikan will emissionsfrei werden. Eine 5000 Quadratmeter große Solaranlage soll zur Umsetzung dieses Vorhabens beitragen. Das Rostocker Unternehmen "Thermovolt" montiert sie auf das Dach der "Aula Paolo VI".

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26. November 2008, 10:33 Uhr

Rom/Rostock | Während die meisten Menschen den Vatikan nur als eine Touristenattraktion kennen, war der kleinste Staat der Welt für den Rostocker BWL-Studenten Johannes Dahl und elf weitere Mitarbeiter des Unternehmens "Thermovolt" mehrere Wochen lang Wohn- und Arbeitsplatz zugleich. Anfang September hat das Rostocker Unternehmen im Vatikan begonnen eine Solaranlage auf dem Dach der Audienzhalle von Papst Benedikt XVI. zu montieren. Als stellvertretender Bauleiter hat Dahl die Planung übernommen und war acht Wochen lang vor Ort. Heute findet die feierliche Inbetriebnahme statt.

Der Hintergrund dieses ungewöhnlichen Bauvorhabens ist, dass der Vatikan als erster Staat der Welt emmissionsfrei werden will. Neben der Solaranlage soll ein angepflanzter Wald dazu beitragen.

Dass ausgerechnet "Thermovolt" für die Installation der Anlage ausgewählt wurde, liegt an deren internationaler Präsenz. Zuletzt wirkte das Rostocker Unternehmen an dem Bau von einer der größten Freifeldsolaranlagen der Welt mit. Während sich die Anlage in Spanien auf einer Fläche von 1,88 Quadratkilometern erstreckt, ist die Fläche im Vatikan mit 5000 Quadratmeter vergleichsweise klein. "Doch das Dach der Audienzhalle ist stark gewölbt, sodass die Anlage eine besondere Einzelanfertigung ist", erklärt Dahl.

Es wurden insgesamt 2700 Photovoltaikmodule verarbeitet, die eine Gesamtleistung von 222 Kilowatt aufbringen. Im Jahr liefert die Anlage etwa 300 000 Kilowattstunden elektrische Energie. Das bedeutet eine Ersparnis von 210 Tonnen Kohlenstoffdioxid.

Zehn Rostocker Mitarbeiter und zwei Bauleiter haben von Anfang September bis Ende Oktober für die Montage der einzelnen Photovoltaikmodule gesorgt. Bevor die eigentliche Installation beginnen konnte, mussten die Rostocker Arbeiter Schmuckelemente aus Beton vom Dach der Audienzhalle "Aula Paolo VI" entfernen. "Es musste fast doppelt so viel Material abgetragen werden, als wir es in Rostock geplant hatten", so Dahl. Die einzelnen Module sind auf Stahlträgern nach Süden ausgerichtet angebracht worden. Zum Gewichtsausgleich und als Schmuckelement wurden zusätzlich Stahlplatten in nördlicher Ausrichtung montiert.

Die Projektplanung ist für den Rostocker BWL-Studenten eine Herausforderung gewesen, denn in den vergangenen Jahren stand der 22-Jährige selbst noch auf Dächern und hat Module verschraubt. Während seiner semesterfreien Zeit im Sommer dieses Jahres hat er erstmals die Chance bekommen die Bauleitung zu übernehmen. "Für mich war diese Aufgabe eine große Chance, denn dieses Pojekt ist etwas Besonderes", erzählt Dahl. Nicht mal ganz drei Wochen hatte er Zeit Übersetzung, Unterkünfte und bauliche Belange zu organisieren.

Während er schon wieder in Vorlesungen saß, wurde im Vatikan die Solaranlage noch elektrisch angeschlossen. Mit der Einweihung enden die Bauarbeiten im Vatikan.

Zu viert haben die zwölf Mitarbeiter des Unternehmes in angemieteten Appartements gewohnt. "Wir konnten zu Fuß die Baustelle erreichen und hatten von dort aus freie Sicht auf den Petersdom", so der BWL-Student. Bis zu zwölf Stunden arbeitete Dahl täglich. Nur sonntags wurde nicht gearbeitet.

Jeden Mittwoch findet im Vatikan die Generalkonferenz statt, zu der auch Papst Benedikt XVI. erscheint. "Als er aus dem Auto stieg, konnten wir ihn kurz sehen", berichtet Dahl. Gegen Ende der Bauarbeiten hat selbst die Schweizergarde, die bewaffnete Armeekorps des Papstes, die Rostocker gegrüßt.

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