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11. Dezember 2017 | 12:07 Uhr

Zwangstötung von Tieren : Erinnerungen werden wach

vom

Geflügelbauer Holger Kliewe musste wegen der Vogelgrippe Tausende Tiere keulen lassen

svz.de von
erstellt am 07.Feb.2016 | 18:01 Uhr

Bergen  Holger Kliewe erinnert sich genau. So detailliert, dass ihm die zehn Jahre vorkämen wie ein Wimpernschlag, erzählt er. Im Februar 2006 grassierte der H5N1-Virus in Deutschland, die Vogelgrippe – und Geflügelbauer Kliewe aus Ummanz auf Rügen wurde unfreiwillig zu einem Hauptdarsteller.

Der Grund: Ganz in der Nähe des Kliewe-Hofes waren Tiere gefunden worden, die den Erreger der Vogelgrippe in sich trugen. Daraufhin töteten amtliche Keulkommandos Kliewes gesamten Tierbestand: 2000 Puten, Gänse und Enten. Für den Bauern aus heutiger Sicht eine vorschnelle, ja hysterische Entscheidung. Denn: „Nachweislich war keines meiner Tiere infiziert, trotz  Freilandbetrieb“, sagt er. Eine Entschädigung für die getöteten Tiere habe Kliewe erhalten, allerdings erst nach monatelangem Rechtsstreit und „wegen eines guten Anwalts“, wie er erzählt. Kliewe bekam 26 000 Euro, das war  der gemeine Wert der Puten, Gänse und Enten. Der tatsächliche Schaden aber sei höher gewesen.

Kliewe rechnet  vor: Eine Zuchtgans kostete 2006 ungefähr 40 bis 50 Euro – ohne Nachwuchs.  Mit Eiern lag der Preis bei mehreren 100 Euro. Der Nachwuchs wäre  beim Berechnen der Entschädigung nicht berücksichtigt worden. „Insgesamt lag der Schaden also bei 150000, vielleicht sogar 250000 Euro“, erklärt der Geflügelbauer.  „Und der Imageverlust ist  nicht zu vergessen.“ Noch Monate nach dem Ausbruch der Vogelgrippe hätten Touristen Berührungsängste gehabt, erinnert sich Kliewe. Sie fragten, ob alles sicher sei oder sie Schutzanzüge bräuchten, um den Bauernhof zu besuchen.  „Dabei weiß man bis heute nicht genau, inwieweit sich die Vogelgrippe auf den Menschen überträgt und wie.“

Kliewe hat einen Tipp: Jedes Virus im Geflügel wird abgetötet, wenn es über 79 Grad erhitzt wird. „Und am besten auf rohes Fleisch verzichten.“

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