Erdrückender Schuldenberg

Schulden machen gehört mittlerweile bei vielen Menschen zum Alltag. Schulden machen keine Probleme, solange die Einnahmen zur Abzahlung der Verbindlichkeiten ausreichen. Was aber, wenn man durch Arbeitslosigkeit oder Krankheit plötzlich seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann?

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21. Februar 2008, 07:16 Uhr

Ludwigslust - Die Menschen, die in das Büro in der Seminarstraße 1a kommen, haben große Sorgen. „Manche kommen zu uns ohne Selbstwertgefühl. Eine lange Zeit ohne Job, Krankheit, Trennung oder der Tod des Partners, Verdienstminderung, Erhöhung der Lebenshaltungskosten haben diese Menschen in eine finanzielle Zwangslage gebracht, aus der sie nur mit gezielter fachkundiger Hilfe wieder herauskommen“, so Anita Krüger, Leiterin der Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

„Wichtig ist es dabei auch, die Leute wieder zu motivieren, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie es schaffen können, aus dieser misslichen Lage herauszukommen“, ergänzt die erfahrene Schuldnerberaterin, die sich seit 1992 dieser Aufgabe in gemeinsamer Trägerschaft zwischen AWO und dem DRK stellt. Ihr zur Seite stehen Karin Kühn und Christel Walter vom DRK-Kreisverband in der Hagenower Bahnhofstraße, die Fälle von Klienten aus dem ganzen Landkreis bearbeiten. „Seit Mitte der 90-er Jahre führen wir darüber Statistik, übrigens haben wir als einziges Bundesland so früh damit angefangen“, lässt sich Anita Krüger vernehmen. Aus dem Jahr 2007 mussten 307 Fälle in das aktuelle Jahr übernommen werden, von Klienten, die sich in der Langzeitberatung befinden. Mangel an Arbeit gab und gibt es für die drei Berater, die sich zweieinhalb Stellen teilen müssen, wahrlich nicht: 691 Fälle landeten im vergangenen Jahr auf ihren Tischen. In Kurzberatungen konnten im Vorjahr 222 Personen geholfen werden.

Insgesamt 156 Neuverschuldungen wurden 2007 bei der AWO-Schuldnerberatung angemeldet. Was die Langzeitberatung betrifft, kann die Dauer sehr unterschiedlich sein. „Diese kann schon nach eineinhalb Jahren beendet sein, wenn man sich mit dem Gläubiger einig geworden ist. Sehr oft zieht sich solch ein Beratungsfall aber über Jahre hin“, weiß Anita Krüger zu berichten.

Das Gros der Forderungen machen die Banken auf
Hinter den angesprochenen 156 Neuaufnahmen steht ein Schuldenberg von rund 3,6 Millionen Euro, 1178 Gläubiger machen hier Forderungen geltend.

„Den Großteil an der Überschuldung halten die Banken mit etwa 2,5 Millionen Euro. Und es ist bei weitem nicht so, dass das Gros unserer Klientel zu uns kommt, weil sie über ihre Verhältnisse gelebt haben, einem zwanghaften Konsumrausch verfallen sind, sich mit Krediten oder Ratenzahlungen übernommen haben“, sagt die Leiterin der Beratungsstelle. „Zu uns kommen Menschen, die persönliche Schicksalsschläge erlitten haben, die über Nacht arbeitslos wurden, an einer schweren Krankheit leiden und nicht mehr im Beruf arbeiten können. Die selbstständig waren und aufgeben mussten, die nach der Trennung vom Partner das gemeinsame Haus nicht mehr finanzieren können.“

Im Jahr 2007 haben die Mitarbeiter der AWO-Schuldnerberatung insgesamt 35 Anträge beim Insolvenzgericht zur Eröffnung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens gestellt. Im Berichtszeitraum für 2007 gab es 47 außergerichtliche Einigungsversuche. Aber es gibt auch Positives zu berichten. Im zurückliegenden Jahr konnten die AWO-Schuldnerberater 153 Fälle beenden, davon elf durch Entschuldung, neun durch erfolgreiche Regulierung und 26 durch Teilregulierung. 32 Fälle wurden durch eröffnete Verbraucherinsolvenzverfahren beendet.

Der Schuldner kann beim Gläubiger Stundung erbitten, oft auch über einen längeren Zeitraum, wenn z.B. ein Auto zu finanzieren ist. So kann solch eine Stundung auch über ein Jahr laufen, es gibt zudem Fälle, wo Gläubiger ganz auf ihr Geld verzichten.

„Es kommen auch immer wiede Leute zu uns in die Beratungsstelle, die sind durch ausbleibende Lohn- und Gehaltszahlungen in Finanznot geraten, wo der Arbeitgeber zwei bis drei Monate kein Geld gezahlt hat. Da müssen wir oft auch fast so etwas wie Detektivarbeit leisten, um die für die Bearbeitung des Falles notwendige Informationen zu bekommen“, formuliert es Anita Krüger.

Termine auch nach Vereinbarung möglich
Die Beratung ist vertraulich und kostenlos. Zu erreichen ist die AWO-Schuldnerberatung in Ludwigslust, Seminarstraße 1a, unter Tel. 03874/6205-67/-68. Beratungszeiten sind Montag von 8 bis 12 Uhr, 14 bis 16 Uhr, Dienstag 8 bis 12 Uhr, 14 bis 18 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 8 bis 12 Uhr und Donnerstag 16 bis 18 Uhr in der Kita „Märchenland“ im Hufenweg in Grabow. Am Freitag ist die Beratungsstelle von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Termine sind auch nach Vereinbarung möglich.

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