Er wollte niemandem gefallen

Daniel Day-Lewis wurde als Darsteller des Ölmagnaten Daniel Plainview Bester Schauspieler.
Daniel Day-Lewis wurde als Darsteller des Ölmagnaten Daniel Plainview Bester Schauspieler.

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26. Februar 2008, 08:10 Uhr

Für sein intensives Porträt des Ölmagnaten Daniel Plainview im Drama „There will be Blood“ wurde Daniel Day-Lewis (50) mit dem Oscar für den Besten Hauptdarsteller geehrt. Es ist bereits seine zweite Trophäe.

Mr. Day-Lewis, wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?
Mein Job ähnelt sehr der Arbeit meiner Figur Daniel Plainview. Ich grabe mit bloßen Händen in der Dunkelheit und versuche, dort etwas von Wert zu finden. Das ist eine sehr geradlinige Angelegenheit. Man eignet sich die Fähigkeiten an, die die Figur haben soll. Auch wenn ich mich oft handwerklichen Tätigkeiten widme, waren es vor allem meine Hände, die Aufmerksamkeit benötigten. Im Endeffekt spielen sich die Dinge immer auf einer unterbewussten Ebene ab. Man versucht, sich selbst in einen Zustand zu versetzen, in dem sich die Arbeit verselbständigt.

Es ist nicht einfach für den Zuschauer, mit Ihrer Figur mitzufühlen.
Der Fluch und der Segen dieser Arbeit war es, dass ich mir absolut nicht bewusst war, auf welche Weise meine Figur das Publikum berühren würde. Ich trage also keinerlei bewusste Verantwortung dafür. Mein Job war es, mich gedanklich von allem frei zu machen und keinerlei Urteil zu fällen. Ich selbst identifizierte mich sehr stark mit der Figur und es war in diesem Moment nicht wichtig, ob andere das würden nachvollziehen können. Man kann wirklich nur auf sehr persönliche Weise arbeiten und hoffen, beim Zuschauer auf eine Resonanz zu stoßen. Wetten kann man darauf nicht. Man muss eine fast intime Beziehung zur Geschichte und zu den Menschen aufbauen, die diese ausgedachte Welt bevölkern. Der Regisseur und seine Darsteller knüpfen eine enge Beziehung zu dieser Welt. Man will niemandem gefallen, höchstens einander, denn das macht eine Arbeitsbeziehung aus.

Fällt es Ihnen schwer, eine Rolle nach Drehschluss abzuschütteln?
Es ist eine traurige Angelegenheit für alle. Man hat versucht, soviel zu geben, wie einem nur möglich ist.
Glücklicherweise ist immer jemand da, der sagt, geh jetzt, geh woanders hin. Und das tut man dann auch. Aber wenn diese Neugier einmal erwacht ist, ist es sehr schwer, sie wieder in den Schlaf zu wiegen. Danach gibt es immer eine Zeit, in der der Geist weiter arbeitet, aber nicht weiß, wo er hinsoll. Am Ende eines Drehs ist man immer völlig erschöpft, aber diese Gefühle des Bedauerns sind da, ja.

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