Ortsbeiratsvorsitzender : „Er diskutiert gern und viel“

Armin Zimmermann
Armin Zimmermann

Der Ortsbeiratsvorsitzende Armin Zimmermann

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18. November 2015, 09:58 Uhr

Wie sieht der typische Bewohner der Gartenstadt aus?

Er hat ein eigenes Grundstück und ist darauf bedacht, dass es da gut aussieht und er sich mit seinen Nachbarn gut versteht. Aufgeschlossen und politisch aktiv ist der Gartenstädter. Er diskutiert gern und viel.

Über den Gartenzaun?

Ja, tatsächlich. Das erlebe ich immer wieder. In jeder Straße gibt es so drei, vier Leute, die sich regelmäßig austauschen. Wir haben hier eine Dreiteilung: Stadtweide fühlt sich mehr hingezogen zur Südstadt, daneben gibt es die alte und die neue Gartenstadt, der Asternweg ist die Grenze.

Was bewegt die Leute hier?

Sie möchten eigentlich ihre Ruhe haben, sind gegen Durchgangs- oder Schleichverkehr. Einige haben sich gegen eine Erweiterung des Asylbewerberheims ausgesprochen, andere gegen den Wagenplatz. Aber das sind meistens die, die in direkter Nachbarschaft wohnen. Dadurch, dass der Stadtteil so weitläufig ist, verläuft sich das und je weiter weg die Leute wohnen, desto größer ist die Akzeptanz dieser Einrichtungen.

Was stört die Nachbarn des Asylbewerberheims?

Das Heim ist in den 90er-Jahren entstanden. Perspektivisch sollten dort drei- bis viergeschossige Wohnhäuser gebaut werden. Das haben wir begrüßt. Dort hätte auch eine Verkaufseinrichtung entstehen können, die in der Stadtweide fehlt. Es hieß immer, bis 2010/11 würde das Heim bleiben und dann die Unterbringung dezentral erfolgen. Doch jetzt hat sich die Situation verändert. Eigentlich ist der Standort gut, dadurch dass er so ein bisschen im Wäldchen liegt. Wir besuchen das Heim regelmäßig, lassen uns als Ortsbeirat erklären, was geplant und wo Unterstützung nötig ist. Die Erweiterung ist erforderlich, so kann es nicht bleiben.

Wie verhält es sich mit dem Wagenplatz. Der liegt ja eigentlich auch abseits. Warum kommt es da zu Konflikten?

Die Nachbarn sagen, dass ihre Grundstücke durch die Nähe des Wagenplatzes an Wert verlieren. Es gab Beschwerden unter anderem wegen der Lautstärke. Im Winter verbrennen sie dort Holz zum Heizen, dabei entsteht Rauch. Ich kann diese Argumentation nachvollziehen, aber wir brauchen auch Möglichkeiten für alternatives Wohnen. Darum finde ich es gut, dass sich die Stadtverwaltung damit ernsthaft beschäftigt hat. Die Bewohner haben nun einen Verein gegründet und ziehen auf ein städtisches Grundstück. Pachtvertrag und Vereinssatzung klären dann alles Weitere.

Wie läuft generell die Zusammenarbeit mit der Stadt?

Unterschiedlich. Das zuständige Ortsamt, namentlich der Leiter Thomas Wiesner, bemüht sich sehr. Aber wenn wir bei einzelnen Ämtern etwas anfragen, bekommen wir schlecht Rücklauf. Oft stellen wir Monate oder auch Jahre später fest, dass unsere Vorschläge nicht berücksichtigt worden sind.

Haben Sie das Gefühl, die Stadt hat die Bedürfnisse der Gartenstadt im Blick?

Schwer zu sagen. Wir sind nicht Warnemünde, nicht exponiert, sondern eine ruhige Wohngegend. Manchmal habe ich das Gefühl, die im Rathaus halten uns hier schon ein bisschen für ein Dorf, denn erst wenn Geld übrig ist, werden wir berücksichtigt. Zum Beispiel jeder neue Gehweg muss erkämpft werden oder wird erst Jahre später realisiert.

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