Endlich diskutieren wir

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28. Januar 2013, 07:38 Uhr

Brauchen wir eine Debatte über Sexismus? Müssen wir im 21. Jahrhundert wirklich noch darüber diskutieren, wie Mann und Frau in unserer, ja das behaupten wir gerne, aufgeklärten Gesellschaft miteinander umgehen sollten? Oh ja, das brauchen wir. Wir sind schon weit gekommen in der Debatte, aber offensichtlich noch nicht weit genug.

Rainer Brüderle hat sich gegenüber einer Journalistin im Ton vergriffen. Er hat sie nicht beleidigt oder beschimpft. Nein, er hat sich an sie rangemacht. "Sie könnten ein Dirndl ausfüllen", sagte er und starrte in ihr Dekoltee. Entschuldigt hat er sich dafür bislang noch nicht. Es ist, gelinde gesagt, eine Frechheit, was der FDP-Politiker sich rausgenommen hat und die prompte Antwort der Kollegin wäre sicher die beste Reaktion gewesen. Aber wer ist schon immer so schlagfertig - und hat auch den Mut, dem Spitzenpolitiker, Kollegen oder Unbekannten in der Disko deutlich zu sagen: Bis hierhin und nicht weiter! Selbst wenn Frau sich wehrt, dann ist das Wort "zickig" meist nicht weit. Hier ein kleines Späßchen, da ein dummer Spruch. Die Frage, was empfindet eine Frau als anzüglich, ist sehr subjektiv. Bei einigen liegt die Toleranzschwelle höher als bei anderen. Aber die Debatte, die durch den Artikel losgetreten wurde, zeigt, dass Sexismus ein großes Problem ist.

Leider ist es kein Klischee, dass Frauen oft auf ihr Äußeres reduziert werden. Angela Merkel wurde wegen ihrer Haare, den Mundwinkeln, ihren Blazern verspottet. Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers ist die "schöne Judith". Welcher Mann wird mit solchen Prädikaten "geschmückt"?

So absurd es klingt: Letztlich sollten wir Brüderle ein wenig dankbar sein. Endlich diskutieren wir über Sexismus. Wenigstens das hat Brüderle geschafft.

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