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25. November 2017 | 10:52 Uhr

Eltern: Lehrer wechseln zu häufig

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2012 | 09:03 Uhr

Seit dem „Pisa-Schock“ 2001 hat sich in Sachen Bildung nicht viel zum Besseren gewandelt, sagt Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Struck. Der Bildungsexperte an der Universität Hamburg diskutierte am Sonnabend mit Lesern am Telefon über die Probleme zum Schulstart, das Schulsystem in Mecklenburg-Vorpommern, Besonderheiten einzelner Schüler und um Eigenarten von Lehrkräften.

Hier seine Auswertung:

•  Die meisten Anrufe betrafen das Schulsystem. Da die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu denen anderer Bundesländer relativ schlecht ausgestattet sind, da die Lehrerschaft oft überaltert und für Kinder anderer Zeiten ausgebildet worden ist, weichen viele Eltern, zumal die, die aus Westdeutschland zugewandert sind, auf die meist pädagogisch guten, besser ausgestatteten und zahlenmäßig besonders stark vertretenen Privatschulen aus, mit dem Resultat, dass es den staatlichen Schulen zunehmend an leistungsstarken Schülern mangelt. Vor dem Hintergrund, dass besonders in ländlichen Gebieten Einflüsse von rechtsextremistischen Gruppierungen im außerschulischen Bereich befürchtet werden und die Grund- und Regionalschullehrer immer noch schlechter als die Gymnasiallehrer bezahlt werden und zu wenig Fortbildung erfahren, stellt sich das für so manchen Anrufer als problematisch dar.

•  Einige Leser beklagen den Mangel an Integrierten Gesamtschulen in MV und dass diese das Abitur wie die Gymnasien bereits nach Klasse 12 verlangen, während es bundesweit üblich ist, dass Gesamt-, Gemeinschafts-, Stadttteil- und Integrierte Sekundarschulen ein Jahr mehr Zeit Richtung Hochschulreife gewähren, also das Abitur in Klasse 13 anbieten.

•  Die zweijährige schulartenunabhängige Orientierungsstufe der Klassen 5 und 6 wird durchweg als nachteilig betrachtet, weil sie zu einem häufigen Lehrer- und vor allem Klassenlehrerwechsel und oft noch zu einem zweimaligen Schulwechsel führt, der sich gerade auf Zehn- bis Zwölfjährige besonders negativ auswirkt. Für besser wird ein längeres gemeinsames Lernen in einer sechsjährigen Grundschule, wie Brandenburg sie hat, gehalten.

•  Hochbegabte, AD(H)S-Kinder und solche mit Lese-Rechtschreib- bzw. Rechenschwäche gibt es in jeder Region Deutschlands zuhauf; sie brauchen ein hohes Maß an individueller Zuwendung durch kompetente Lehrkräfte, die aber oft gar nicht für so etwas ausgebildet worden sind. In solchen Fällen sollten die Eltern die Lehrer rechtzeitig und immer wieder auf diese Besonderheiten hinweisen, im Allgemeinen in Absprache mit dem Kinderarzt und mit Unterstützung des Schulpsychologen, der im Schulamt jeder Kreisstadt sitzt und eigentlich auf der Seite der Kinder zu stehen hat.

•  Ungerechte, methodisch schwache Lehrer und solche, die Lieblinge in der Klasse haben, gibt es auch überall. Wenn dadurch Schulnot in der Familie wächst, sollten die Klassen- und Schulelternvertreter, die Schulleitung oder in schweren Fällen auch die Schulaufsicht eingeschaltet werden.

•  Deutschland hat, wie alle anderen EU-Staaten auch, die UN- Konvention zur Abschaffung der Sonderschulen unterschrieben und setzt nun auf die „Billiglösung“ der „Inklusion“ behinderter Kinder in Regelklassen. Die Anrufer beklagen, dass zu viele Behinderte in zu große Regelklassen kommen und dass es an den Regelschulen dramatisch an Sonder- und Sozialpädagogen fehlt. Eigentlich müsste es so sein: Wenn man die Sonderschulen weitgehend abschafft, dann braucht man dreimal so viele Sonderschullehrer wie bislang, aber eben dann an Regelschulen!
Die Folge der schlechten Versorgung ist, dass in Mecklenburg-Vorpommern doppelt so viele Schüler ohne Abschluss bleiben (14,7 Prozent) wie im Bundesdurchschnitt (7 Prozent); und während in ganz Deutschland 46,8 Prozent aller Schüler zum Abitur kommen, schaffen das in Mecklenburg-Vorpommern nur
35,7 Prozent. Überdies gibt es in Mecklenburg-Vorpommern fast doppelt so viele Sitzenbleiber wie im Bundesdurchschnitt.

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