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25. November 2017 | 07:07 Uhr

Eitrige Geschwüre statt cooler Cowboys

vom

svz.de von
erstellt am 15.Aug.2012 | 07:13 Uhr

Sydney | Subtil sind Anti-Rauchkampagnen in Australien nicht gerade. In Melbourne läuft ein Fernsehspot mit einem jungen Mann, der Blut und Wasser schwitzend auf das Ergebnis eines Lungenkrebstests wartet. Auf Plakatwänden in Sydney ist ein rauchender Vater zu sehen, der Blut in ein Taschetuch spuckt.

Der Ekelfaktor wird jetzt noch erhöht: die Regierung hat drastische neue Verpackungsvorschriften erlassen. Das höchste Gericht schmetterte gestern eine Klage der Tabakfirmen dagegen ab. Mit dem Image von coolem Cowboy, Abenteuerlust und großer weiter Welt ist Schluss. Möglichst hässlich, möglichst eklig ist die Devise. Schachteln müssen ab Dezember dunkelgrün-bräunlich sein, ein Farbton, der alle möglichen unappetitlichen Assoziationen weckt. Die Mischung wurde getestet: es ist die, die die meisten Menschen als abstoßend empfinden. Darauf sind Fotos von eiternden Geschwüren und faulen Zähnen abgebildet. Ganz klein darf die Firma noch ihren Markennamen drucken.

"Das ist ein Sieg für alle Familien, die jemand wegen einer Raucherkrankheit verloren haben", meinte Gesundheitsministerin Tanya Plibersek. Nur 16 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen rauchen noch in Australien. In Deutschland greifen fast ein Drittel der Männer und 20 Prozent der Frauen zur Zigarette.

Geschafft hat Australien das mit strengen Vorschriften: In Kinos, Zeitschriften und auf Plakaten ist Tabakwerbung seit Jahrzehnten tabu. In einigen Bundesstaaten ist das Rauchen im Auto verboten. Bei Stellenanzeigen steht oft: keine Raucher. In 10 bis 15 Jahren, glauben Experten, wird Rauchen in Australien komplett verboten sein. Dann wird die Kippe zur Schwarzmarktware.

Von Ekel-Faktor bis Pandabärchen

Tote Babys oder von Tumoren entstellte Gesichter: Viele Staaten lassen abstoßende Bilder auf Zigarettenpackungen drucken, um Menschen vom Rauchen abzuhalten. In Deutschland klingen die
allgemeinen Warnhinweise wie „Rauchen kann tödlich sein“ dagegen nahezu harmlos. Einige Beispiele aus dem Ausland:

  • Kanada zwang im Jahr 2000 große Hersteller zu Bildern und Texten mit Warnhinweisen auf den Packungen. Bis heute sind die Fotos von leeren Kinderbettchen oder Raucher-Porträts sehr eindringlich, vermeiden aber den Ekel-Faktor.

  • In den USA gibt es seit rund 25 Jahren Textwarnungen auf Zigarettenpackungen. Für Herbst 2012 sind die ersten Bilderserien geplant. Die bisherigen Vorschläge zeigen Menschen mit Atemmasken oder Löchern im Kehlkopf, aus denen Rauch quillt. Tabakfirmen klagen seit 2011 gegen die geplanten Darstellungen.

  • Brasilien setzt auf besonders drastische Abschreckung – bis hin zu Fotos von blutgetränkten Fehlgeburten in Zigarettenasche.

  • Rumänien geht einen ähnlichen Weg. Raucher kaufen dort Schachteln mit Totenschädeln oder großflächigen Tumor-Fotos.

  • Russland und China setzen bei Zigaretten eher auf Schmuckschachteln – mit niedlichen Pandabärchen, Planeten oder Schlitten im Schnee.

  • Thailand übt dagegen wenig Zurückhaltung mit Leichenfotos aus Obduktionssälen.

  • Saudi-Arabien hält sich mit Schock-Fotos zurück, lässt auf den Packungsbildern aber Schlangen aus Zigaretten kriechen.dpa
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