Eisbär kommt zurück nach Rostock

Nur noch ein paar Meter und Vilma hat ihre Ruhe in der Käfiganlage. Foto: Georg Scharnweber
Nur noch ein paar Meter und Vilma hat ihre Ruhe in der Käfiganlage. Foto: Georg Scharnweber

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06. Februar 2008, 07:42 Uhr

Rostock/Nürnberg zvsEisbärin Vilma, die im Nürnberger Zoo ihre beiden Jungen kurz nach der Geburt aufgefressen hatte, ist nach Rostock zurückgekehrt. Damit macht sie in dem Nürnberger Eisbärengehege nun ihrer Nichte Flocke Platz. Wie der Rostocker Zoo gestern mitteilte, soll Vilma, die seit Oktober 2004 im Nürnberger Tiergarten lebte, wieder mit ihrer Mutter vereint werden. Vilmas Schwester Vera, die ebenfalls damals nach Nürnberg kam, hatte zum Jahreswechsel das Eisbärenmädchen Flocke zu Welt gebracht. Seite 5 ----- Vilma ist zurück. Nach vier Jahren im Tiergarten Nürnberg ist die Eisbärendame gestern in ihre Geburtsstadt Rostock umgezogen. Der Zoo erhofft sich Nachwuchs von ihr – und in Nürnberg gibt es nach Vilmas Auszug endlich genug Platz für die kleine Flocke. -- Willkommen zu Hause, Vilma! ------ Eisbärendame lebt wieder im Rostocker Zoo / Umzug von Nürnberg ------ Rostock Noch früher als erwartet ist der Transporter gestern auf der Bärenburg angekommen. „Autovermietung Pkw-Lkw“ steht auf der Plane. Und drinnen, in einem Extra-Käfig, wartet Vilma auf ihr neues, altes zu Hause. Der Transporter ist kaum geöffnet und die anderen Bären auf der Außenanlage erschnüffeln die Neue schon. „Ich hab gesehen, wie sie Wind von ihr genommen haben“, sagt Heidemarie Kopenhagen vom Zoo.
Unter den Wartenden ist auch Hans-Joachim Nürnberg. Er kennt Vilma von klein auf, war ihr Tierpfleger in Rostock. Vor knapp vier Jahren hat er sie nach Nürnberg gebracht, jetzt empfängt er sie wieder hier im Zoo. „Ich freue mich, dass Vilma zurückkommt, und dass wir vielleicht bald wieder in die Zucht einsteigen können.“ Und das mit der Vilma, die Anfang dieses Jahres in Nürnberg ihre Jungen aufgefressen hat. „Deswegen ist sie aber keine Rabenmutter, kein Problembär oder sonst noch was.“ Ganz im Gegenteil: Vilma habe in den vier Wochen vor dem Tod der Jungen gezeigt, dass sie eine gute Mutter ist. Dass sie ihre Jungen auffraß, sei „ein ganz natürlicher und wichtiger“ Vorgang. Nürnberg mutmaßt, dass die Jungen vielleicht krank waren. Da sei es nur natürlich, dass die Wurfhöhle frei von Keimen gehalten wird. Andernfalls zeige Vilmas Verhalten schlicht, dass sie noch unerfahren ist – was in dem Alter auch völlig normal sei.
Die Plane ist nun ganz hochgerollt. Ein warmer Bärenduft strömt heraus. Vilma kratzt am Blech. Sie will heraus. „Man sieht schon, dass sie aufgeregt ist“, sagt Antje Zimmermann, die Kuratorin des Zoos. Ein Stapler hebt den Käfig vom Transporter und stellt ihn auf Metallstäbe. Acht Männer rollen ihn langsam zum Stall. Am Ziel wird die Schiebetür geöffnet, und Vilma betritt ohne Aufhebens ihre Unterkunft. Noch ein paar Fotos und sie hat ihr Ruhe.
„Vilma bleibt nur diese Nacht in diesem Käfig und dann wird sie langsam an die anderen Weibchen herangeführt“, sagt Zimmermann, die erleichtert ist, „weil alles so gut geklappt hat“.
Wenn Vilma auf die anderen Bären trifft, ist darunter auch ihre Mutter Vienna. Tierpfleger Nürnberg verwirft aber schon vorab alle Romantisierungen: „Vilma kennt ihre Eltern nicht mehr. Das ist menschliches Hineindeuten.“ Auch werde sie sich nicht an Rostock erinnern. Die Außenanlage, auf der sie mit Vienna und Arcta zusammenleben soll, kenne sie noch gar nicht. Also erstmal einleben, während der Zoo sich schon nach einem geeigneten Partner umsieht. Vilma ist schließlich im Zuchtprogramm.
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Bärensteckbrief:
Vilma wurde am 3. Dezember 2002 im Rostocker Zoo geboren. Sie ist das 32. Jungtier seit 1963. Vilmas Eltern sind Churchill und die Eisbärin Vienna. Seit Oktober 2004 lebte Vilma im Nürnberger Tiergarten. Dorthin kam sie gemeinsam mit Vera, der jetzigen Mutter von Flocke, die ähnlich wie der Berliner Knut per Hand aufgezogen wird. Vilma kehrte gestern im Sinne des Europäischen Zuchtprogramms nach Rostock zurück.

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