Einsam oder allein?

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11. Januar 2013, 07:20 Uhr

Einsamkeit hat viele Gesichter. Manche Menschen sitzen alleine in ihrer Wohnung, ihnen fehlt jemand zum Reden. Andere leben mit einem Partner zusammen, haben Freunde und Kinder, fühlen sich aber trotzdem einsam. Einsamkeit kann jeden treffen, zum Beispiel, wenn ein liebgewonnener Mensch stirbt. Alter allein ist kein Risikofaktor, auch wenn viele Menschen Angst davor haben, später einmal einsam zu sein. Hoffnungslos ausgeliefert muss man sich diesem Zustand aber nicht fühlen. "Einsame Menschen gibt es in jedem Alter", sagt Mechthild Niemann-Mirmehdi, die am Gerontopsychiatrischen Zentrum der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin arbeitet. "Oft ist es nicht das Alter, das zu Einsamkeit führt, sondern die Biografie", ergänzt Prof. François Höpflinger, Soziologe an der Universität Zürich. Wer sich zum Beispiel über Jahrzehnte nur auf den Partner konzentriert und keine Freundschaften pflegt, laufe Gefahr, irgendwann einsam zu sein. Aber auch Menschen, die nur für den Job leben, riskieren, als Rentner einsam zu werden.Hinzu kommt, dass Umbrüche im Leben zu Gefühlen von Einsamkeit führen können.

Es ist ein Irrglaube, dass nur alleinstehende Menschen einsam sind. "Man kann unter vielen Menschen einsam sein, wenn man sich nicht zugehörig fühlt", sagt Bohn. "Einsamkeit trotz Geselligkeit, selbst Einsamkeit zu zweit, kann mehr weh tun, als allein und einsam zu sein", erklärt Niemann-Mirmehdi.

"Tun Sie Dinge, die Sie schon immer einmal tun wollten oder gerne wieder tun würden. Wagen Sie sich an Neues heran", rät Niemann-Mirmehdi. Und wenn man sich trotzdem einsam fühlt? "Dann versuchen Sie, damit umzugehen", rät Bohn. "Akzeptieren Sie, dass die Einsamkeit im Moment zu Ihrem Leben dazugehört und sorgen Sie gut für sich." Das können kleine Handlungen sein: Wer gerne draußen ist, der kann das Fenster öffnen und bewusst die frische Luft atmen. Und wer es gerne warm hat, dem tut vielleicht ein heißes Bad gut.

Setzt sich das Einsamkeitsgefühl fest, kann es sinnvoll sein, sich an eine telefonische Seelsorge, ein Krisentelefon oder an einen Arzt zu wenden.

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