Eine Quelle soll wieder sprudeln

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Lacht am liebsten in der Gruppe: Thomas Draeger red

In der Großstadt hat Thomas Draeger einen Lachchor dirigiert – auf dem platten Land bietet er Lachabende an.

svz.de von
27. Januar 2013, 05:46 Uhr

Wie kann der Mensch lernen, auf Anhieb zu lachen?

Thomas Draeger: Keine Ahnung. Aber es geht. Bei einer Antwort auf diese Frage bin ich theoretisch nicht weitergekommen, praktisch aber sehr wohl. Dass es funktioniert, zeigt die wachsende Anzahl von Lachklubs auf der ganzen Welt. Sie sind besonders beliebt bei denen, die das Lachen verlernt haben. Sie erfahren dort, dass sie über eine Lachquelle verfügen, die sie mit ein bisschen Geduld wieder zum Sprudeln bringen können.

Handelt es sich dabei nicht vor allem um künstliches Lachen?

Einige Fachleute behaupten ja, dass Lachen körperlich die gleiche Wirkung hat, egal ob es wahrhaftiges oder künstliches Lachen ist. Obwohl ich da meine Zweifel habe. Künstliches Lachen kann keine so tiefgreifende Wirkung haben, weil da der Verstand immer beteiligt ist. Hemmungsloses Lachen schließt gleichzeitiges Denken aus und führt genau darum zur Tiefenentspannung. Dorthin zu kommen, dabei kann die Gruppe helfen. Grundsätzlich steht doch die Frage: Wie werden wir Miesepeter, Nörgler? Durch ständiges Üben. Es ist erwiesen, dass sich die neuronale Struktur des Gehirn beeinflussen lässt. Also kann ich mich auch entscheiden, eine freudige Grundstimmung zu trainieren. Es lohnt sich.

Welche Vorteile hat häufiges Lachen?

Lachen hält gesund, weil es unser Immunsystem auf Trab bringt. Wer sich häufig schlapp lacht, senkt seinen Blutdruck, entspannt verkrampfte Muskeln und aktiviert im Gehirn positive Gefühle. Glückshormone werden ausgeschüttet. Im Lachen steigen wir aus jeglicher Selbstkontrolle aus. Wir überlassen uns der Weisheit des Körper, der endlich tun darf, was ihm unter Stress oft nur schwer gelingt, nämlich sich gesund halten. 10 Minuten Lachen wirkt wie 30 Minuten Joggen, sagen uns die Mediziner.

Seit wann beschäftigt sich die Medizin schon mit dem Thema?

In den 70er-Jahren gab es den amerikanischen Wirtschaftsjournalisten Norman Cousins, der an einer Wirbelsäulenentzündung erkrankt war. Die Ärzte hielten ihn für austherapiert und gaben ihm eine Überlebensprognose von maximal einem halben Jahr. Er wollte diese Zeit möglichst heiter verbringen und umgab und beschäftigte sich mit allem, was ihn zum Lachen brachte. Dabei machte er eine erstaunliche Erfahrung: Wenn er 10 bis 15 Minuten herzhaft gelacht hatte, kam er mehrere Stunden ohne Schmerzmittel aus. Er wurde gesund, hat noch viele Jahre gelebt und ein Buch geschrieben, "Der Arzt in uns". Einige Mediziner nahmen seinen Fall zum Anlass, die Wirkungen des Lachens auf den Organismus zu erforschen. Mittlerweile gibt es eine Riesenszene, die sich wissenschaftlich oder auch ganz praktisch mit dem Lachen beschäftigt, in Lachgruppen oder auch beim Lachyoga.

Was raten Sie einem, der es nicht schafft, sich in der Lachgruppe wegzulachen?

Nur nicht gleich aufgeben. Wiederkommen und sich anstecken lassen, zum Beispiel am nächsten Mittwoch in der Kulturbörse Gnoien.

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