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Bahnwerk in Eberswalde : Eine Perspektive fürs Bahnwerk

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Lichter in Eberswalde gehen zum Jahresende zwar nicht aus, aber etliche Beschäftigte müssen ihren Hut nehmen

svz.de von
erstellt am 24.Mai.2016 | 10:22 Uhr

Die gute Nachricht für Eberswalde ist, dass die neuen Eigentümer des Bahnwerks garantieren, den Standort für mindestens fünf Jahre zu erhalten. Die 210 übernommen Mitarbeiter erhalten für zwei Jahre eine Jobgarantie, erklärte Vorstand Dominik Beck von der Münchner Quantum Capital Partners AG gestern in Eberswalde. Man sehe in der Neuerwerbung zudem das Potenzial für einen Ausbau. „Es besteht kein Grund zur Euphorie, aber 210 sind mehr als null“, kommentierte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) den Deal zwischen der Deutschen Bahn, Quantum und der Landesregierung. Zum 1. Januar 2017 übernehmen die Münchner das Waggon-Instandhaltungswerk von der Bahn für einen symbolischen Euro.

Das Land hatte eine Bürgschaft angekündigt und damit den Weg für den Verkauf freigemacht. Weitere Fördergelder für Quantum-Investitionen in Eberswalde stellte Gerber gestern in Aussicht. „Ohne das Engagement des Landes wäre der Verkauf so nicht über die Bühne gegangen“, ergänzte der zuständige Bahnbevollmächtigte, Joachim Trettin.

Die vergangenen 18 Monate nach dem Schließungsbeschluss der Bahn seien für das Land und die Beschäftigten „emotional eine Achterbahnfahrt“ gewesen, betonte Gerber. Es habe die Gefahr bestanden, dass der industrielle Kern des Barnims verloren geht, sagte Landrat Bodo Ihrke (SPD). „Die ganze Region hat Durchhaltevermögen, Kampfgeist und Rückgrat mit ihrem Protest gegen die Schließung bewiesen“, hob der Wirtschaftsminister hervor.

Das massive Engagement des Landes für Eberswalde begründete der Minister mit der großen Symbolwirkung, die von der Entscheidung in einer sonst strukturschwachen Region ausgehe. Wie viel sich Gerber dieses Engagement kosten lassen will, wollte er nicht verraten. Darüber sei Stillschweigen vereinbart worden. Eine Bürgschaft zur Absicherung eines Kredits koste erst mal nichts, hieß es – ein Schnäppchen dürfte die Übernahme aber nicht sein. Die Bahn baut Filetstücke des Werks wie die Radlager-Anlage aus. Quantum hat bereits eine neue Anlage gekauft, die bis zum Jahresende installiert werde, erklärte Beck.

Bei den Bahnwerkern selbst herrscht derweil keine Jubelstimmung. „Von jetzt 320 Mitarbeitern bleiben nach der Übernahme nur 210 und keiner weiß, wer zu den 210 gehört“, sagte ein Beschäftigter nach einer gestrigen Betriebsversammlung. Da sei es auch kein Trost, dass die Bahn für die Übrigen Jobs im Bundesgebiet angeboten habe. „Wir haben Familie hier, haben gebaut. Da will keiner nach Berlin, Paderborn oder Wittenberge.“ Für Quantum stellt sich der Eberwalde-Deal als ein gutes Geschäft dar. Die Landesbürgschaft minimiert das Unternehmensrisiko, außerdem sehen die Münchner mit der Öffnung des Bahnsektors für private Wettbewerber gute Marktchancen. 2014 hatte der Investor bereits den Waggonbau Niesky in Sachsen von der Bahn übernommen und macht dort eigenen Angaben zufolge gute Geschäfte.

Vor zwei Jahren habe Niesky noch einen Jahresumsatz von 35 Millionen Euro erwirtschaftet, hieß es. „Heute sind wir bei 70 Millionen Euro“, sagte Beck. In den Büchern stünden aktuell Aufträge im Volumen von mehr als 180 Millionen Euro. Innerhalb kürzester Zeit sei die Privatwirtschaft zum Hauptauftraggeber geworden. „Mit Niesky und Eberswalde können wir neben neuen Waggons auch die Instandsetzung anbieten. Für uns ist die Übernahme ein folgerichtiger Schritt“, betonte der Quantum-Vorstand.

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