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12. Dezember 2017 | 05:42 Uhr

Kommentar : Ein Verlust der Fußballkultur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Entscheidung des 1. FC Magdeburg, Anhänger des FC Hansa Rostock beim Traditionsduell auszuschließen, könnte einen Präzedenzfall mit Folgen schaffen

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Eine Fußballpartie ohne Gäste-Fans? Ein Szenario, das sich kein wirklicher Liebhaber dieses Sports vorstellen kann. Denn die besondere Atmosphäre in einem Stadion entsteht auch durch die Gesänge der unterschiedlichen Fan-Gruppierungen. Rivalitäten hin oder her – zu einem Fußballspiel gehören Anhänger beider Clubs.

Die Entscheidung der Verantwortlichen des 1. FC Magdeburg, Hansa-Anhänger bei dem Traditionsduell auszuschließen und sogar so weit zu gehen, einen entsprechenden Antrag beim Deutschen Fußball-Bund zu stellen, ist ein ungewohnt drastischer Weg im deutschen Fußball. Von Wettbewerbsverzerrung ist die Rede, wenn ein ganzes Stadion nur ein Team anfeuert und es beim Kampf um die drei Punkte unterstützt. Dies zeigt sich schon anhand der eigentlich verfeindeten Fan-Lager, die sich quasi über Nacht solidarisiert haben.

Die Ausschreitungen im Hinspiel haben mit Sicherheit dazu beigetragen, einen solchen Schritt überhaupt in Betracht zu ziehen. Doch sollte bedacht werden, dass sowohl im Stadion als auch bei der konzentrierten und organisierten Anreise die Anhängerschaft leichter zu kontrollieren ist, als bei einer Demonstration, wie sie die Fanszene Rostock nun als Protest plant.

Bedenklich sind auch die Auswirkungen, die diese Entscheidung in Zukunft nach sich ziehen könnten. Wird dem Antrag von Seiten des DFB stattgegeben und so ein Präzedenzfall geschaffen, könnte dies eine dauerhafte – und einfache – Lösung für Vereine, Polizei und Sicherheitsbeauftragte werden, ungeliebte Fan-Gruppierungen auszuschließen. Und dies nicht nur in der 3. Liga, womöglich auch höherklassig. Traditionsduelle und Derbys werden so unattraktiv und ein wichtiger Teil der deutschen Fußballkultur würde verloren gehen.

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