Ein Unterseeboot auf dem Dach

Einst schlug Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer und Otto Sander im Film „Das Boot“ immer wieder Gischt entgegen, wenn sie aus dem Turm ihres U-96 schauten. Heute nimmt Eberhard Teibes eine ähnliche Position ein – allerdings auf dem Dach eines Carports.

von
22. Februar 2008, 06:59 Uhr

Roggendorf - Erhard Teibes verkauft in Roggendorf Holzhäuser, Carports und andere aus Holz gebaute Dinge. Doch seit Neuestem kommen immer wieder Kunden in sein Geschäft und sagen: „Ich hätt’ gern zwei U-Boote.“ Andere kommen aus dem benachbarten Kreis Herzogtum-Lauenburg und fragen ganz direkt: „Was macht denn unser U-Boot hier?“ Die Frage ist nicht ganz unberechtigt. Schließlich ist es „U-Ratz“, das auf dem Dach eines Carport der Roggendorfer Firma steht. 25 Jahre lang sorgte das für ein Binnengewässer eher ungewöhnliche Gefährt auf dem Ratzeburger Domsee in der Sommersaison für Furore. Ein Tretboot das dem Original U-Boot 7 c, Baujahr 1942, nachempfunden ist – einem Jäger, der im Zweiten Weltkrieg der Schrecken der alliierten Versorger war und der im Original als Marinemuseum in Laboe zu besichtigen ist.

Bis vor kurzem gehörte „U-Ratz“, wie das Tretboot liebevoll genannt wurde, dem Marine-Verein Ratzeburg und Umgebung von 1925. Doch nach etlichen Kollisionen mit unvorsichtigen Freizeitkapitänen ist die Kunststoffhülle des besonderen Gefährts so ramponiert, dass der Verein einen Nachfolger bauen will. „Deswegen wurde U-Ratz verschenkt“, sagt Eberhard Teides. Zunächst sollte sein Nachbar das viel fotografierte Objekt bekommen. Doch als der Transport schwieriger wurde, als gedacht und man sich auch noch fest fuhr, entschieden Teides und sein Nachbar, das U-Boot beim Holzhändler zu belassen. Der freute sich und setzte das ehemalige „U-Ratz“ auf das Dach eines seiner Carports. Dort ist es auch von der B208 gut zu sehen und ein Blickfang mit Werbeeffekt.

„Ich will es jetzt zumindest optisch noch ein wenig auf Vordermann bringen“, sagt Eberhard Teides mit dem Hinweis, dass auch er bei der Marine war. „Allerdings auf einem Zerstörer.“

Im Ausguck seines neuen Schmuckstücks wirkt er auch wie ein echter Seebär, der den Winden und Wellen trotzend in die Ferne blickt.

Ob das frühere Schmuckstück des Ratzeburger Domsees je wieder Wasser unter den Kiel bekommt, weiß der jetzige Besitzer noch nicht. Allerdings macht er sich schon Gedanken über eine neue Beschriftung. Das „Ratz“ vom alten Namen hat er schon entfernt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen