zur Navigation springen
Neue Artikel

21. November 2017 | 05:44 Uhr

Ein Traditionsunternehmen am Pranger

vom

svz.de von
erstellt am 12.Feb.2013 | 10:28 Uhr

Stockholm | Findus hat rasch gehandelt. Der schwedische Hersteller von Tiefkühlkost informierte die heimische Lebensmittelbehörde bereits Mitte der vergangenen Woche, dass ihre Tiefkühl lasagne offenbar aus Pferdefleisch war statt wie angegeben aus Rindfleisch. Man sei von Unterlieferanten betrogen worden und unschuldig, unterstrich der Konzern.

Doch Schwedens Landwirtschaftsminister bezweifelte dies. "Derjenige, der ein Produkt auf den Markt bringt, trägt immer die Verantwortung dafür, dass das, was auf der Verpackung steht, auch im Produkt ist. In diesem Fall ist es Findus", sagte Eskil Erlandsson. "Für Lebensmittelunternehmen darf sich Betrug nicht lohnen", fügte der bürgerliche Minister hinzu.

Das schwedische Lebensmittelamt beriet gestern, ob es gegen das Unternehmen mit Hauptsitz im südschwedischen Bjuv eine Betrugsanzeige einreichen soll. "Wenn ein Lebensmittelunternehmen eine falsche Inhaltsangabe macht, und hier nicht nur eine falsche, sondern eine irreführende, besteht das normale Verfahren darin, den Fall zu überprüfen und eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten", sagte Mona-Lisa Dahlbom-Wiedel, Leiterin der Kontrollabteilung . "Rindfleisch durch billiges Pferdefleisch zu ersetzen, ist kriminell."

Allerdings betonte Dahlbom-Wiedel auch, dass ihre Behörde noch nicht entschieden habe, ob eine Anzeige erstattet wird. Offenbar ginge es hier um einen europaweiten Skandal. Es sei noch unklar, ob Findus und zahlreiche andere europäische Firmen durch systematischen Betrug von Zulieferern betroffen seien. "Wir wissen nicht richtig, wie groß das Ganze ist und wer verwickelt ist", sagte sie.

Auch Schweden ist vom Betrug betroffen. Findus hat etwa 20 000 Gerichte aus schwedischen Supermärkten zurückgerufen und laut Firmensprecher Jari Latvanen Anzeige gegen den französischen Lieferanten Comigel erstattet.

Der Name Findus ist eine Abkürzung. Sie steht für Fruchtindustrie - und die Marke für Qualität. Bereits im Herbst 1945 bot Findus über Lebensmittelläden in Stockholm die ersten tiefgekühlten Esswaren in Schweden an. Waren es zuerst Beeren und Spinat, kamen 1949 die ersten norwegischen Fischfilets ohne Haut und Gräten dazu.

Von Schweden aus wuchs Findus erst in Nordeuropa und dann europaweit. Von 1962 bis 2000 gehörte das Unternehmen zu Nestlé. Heute gehört nur noch Findus Schweiz zum Lebensmittelriesen vom Genfersee. Findus bietet rund 200 unterschiedliche Produkte an. Hinzu kommen 35 Produkte für Restaurants und Großküchen, etwa an Schulen. Das Unternehmen zehrt von seinem alten Ruf des Qualitätshauses, das auf betont gesunde Tiefkühlkost ohne Zusatzstoffe und auf Fisch aus nachhaltiger Züchtung setzt. Sein Fischangebot wurde 2010 sogar mit dem EU-Umweltpreis ausgezeichnet. Da passt der Pferdefleischskandal nicht ins Konzept.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen