Spanien: Ramos denkt an Puerta : "Ein Titel für ganz Spanien"

Man hatte ihn fast schon vergessen, und dann kam er doch noch. Da waren alle schon im Bus, der sie zum Flieger bis ins Quartier hinter Innsbruck bringen sollte, wo sie um 4.20 Uhr mit einem Feuerwerk erwartet wurden, ehe die Sause dann bis heute Morgen weiterging.

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01. Juli 2008, 11:58 Uhr

"Ein Titel für ganz Spanien"Spanien: Ramos denkt an PuertaMan hatte ihn fast schon vergessen, und dann kam er doch noch. Da waren alle schon im Bus, der sie zum Flieger bis ins Quartier bringen sollte, wo sie um 4.20 Uhr mit einem Feuerwerk erwartet wurden, ehe die Sause dann bis heute Morgen weiterging. Alle waren schon weg bis auf Casillas sowie Fabregas. Der war auch schon im Bus gewesen, nur um dann doch noch mal zurückzukommen und zu erklären: "Das hier ist größer als Barça oder Real, das ist ein Titel für ganz Spanien."Man hatte ihn fast schon vergessen, und dann kam er doch noch. Da waren alle schon im Bus, der sie zum Flieger bis ins Quartier hinter Innsbruck bringen sollte, wo sie um 4.20 Uhr mit einem Feuerwerk erwartet wurden, ehe die Sause dann bis heute Morgen weiterging.
Xavi, der Passgeber zum 1:0 war schon durch, Fernando Torres, der Torschütze zum 1:0 war weg und natürlich auch Luis Aragones, der Trainer, den Abwehrchef Carles Puyol, nachdem dieses 1:0 Endgültigkeit hatte, für das Siegerfoto auf dem Platz ja bereits schon hatte zurückholen müssen aus dem Bauch des Ernst-Happel-Stadions.Also, alle waren schon weg bis auf "San Iker" Casillas, den Kapitän, Torwart und "Heiligen" sowie Cesc Fabregas. Der war auch schon im Bus gewesen, nur um dann doch noch mal schnell zurückzukommen und, es war fast ein Uhr, die fast leere Bierflasche locker zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt, zu erklären: "Das hier ist größer als Barça oder Real, das ist ein Titel für ganz Spanien."Und so hatten sie auch gefeiert, in der Kabine und auch in der Mixed Zone, wo Spieler auf Journalisten treffen. Da hatten die neuen Europameister angeführt von einem Casillas im Deutschland-Trikot eine Polonäse zelebriert und Ringelreihen getanzt (Puyol als einziger und wie man das nach Barça-Spielen kennt mit nacktem Oberkörper) und der verletzte David Villa hatte in bester Fernando-Alonso-Siegerehrungs-Manier Champagner über alle verspritzt, so dass man nicht mehr sicher sein konnte, was da in der hitzigen Atmosphäre auf so mancher Geheimratsecke perlte."Ich bin verrückt, verrückt darauf, nach Spanien zu kommen und mit den Leuten zu feiern. Lasst es krachen, überall und in jeder Stadt des Landes", ballerte der Torschützenkönig des Turniers für die Fans im heimischen Spanien in die Mikrofone und unter all dem Getöse und auch den etwas leiseren Tönen, für die zum Beispiel ein eben nur auf dem Spielfeld extrovertierter Andres Iniesta zuständig war, hatte man irgendwie schon gar nicht mehr an ihn gedacht: den EM-Pokal.Und dann tauchte er doch ganz plötzlich auf, gebettet fast in den tätowierten Armen von Sergio Ramos, der während der Nationalhymne vor dem Endspiel in Gedenken seines im vergangenen August verstorbenen Ex-Kollegen Antonio Puerta erneut den Blick gen Himmel gerichtet und bei der Siegerehrung ein Puerta-Shirt getragen hatte. Doch öffentlich etwas sagen wollte der 22-Jährige wie schon während all dieser EM-Wochen auch in der Stunde des großen Triumphes nicht: Wenig hatte dieser Sergio Ramos da mit dem dynamischen Außenverteidiger gemein, den er nach persönlich missratenem EURO-Start in den entscheidenden Spielen abgegeben hatte.Fast still blieb Sergio Ramos nun stehen und zeigte den Pokal, der durch die vielen Bussis und Fingerabdrücke zwar nur noch matt schimmerte, seine Strahlkraft aber nicht verloren hatte. Es war ein Moment zum Innehalten nach all dem Trubel. Sergio Ramos, der angekündigt hatte, diesen Pott auch für seinen Kumpel Puerta gewinnen zu wollen, er lächelte. Es war kein Überschwang-Lächeln, sondern ein einfaches Geschafft-Lächeln - und dann verschwand er, Ramos mit dem Pott.Gegen 19.30 Uhr werden sie in Madrid eintreffen, Millionen werden den Europameister erwarten. Es wird dann nicht mehr so still sein wie in diesem einen Moment im Untergrund des Happel-Stadions, der mit seiner Intensität aber all dem Gehupe rund um den "Kybele"-Brunnen im Zentrum von Madrid in nichts nachstehen wird.
Über Spanien berichtet Jörg Wolfrum

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