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25. November 2017 | 01:16 Uhr

Ein Schrei nach Hilfe

vom

svz.de von
erstellt am 06.Aug.2012 | 09:40 Uhr

Die Einsamkeit im Alter ist nach Ansicht von Suchtberatern der wichtigste Grund dafür, dass Senioren zu Abhängigen werden. Das ist eine Erkenntnis, die die Gesellschaft nicht kalt lassen darf. Denn die Sucht im Alter ist keineswegs nur ein Problem von Pflegekassen, Heimen und Sozialversicherungen. Wenn alte Menschen aus Einsamkeit heraus zu trinken anfangen, deutet das vor allem auf eines hin: Der Gedanke der generationenübergreifenden Solidarität, der hinter unserem Sozialstaat steht, funktioniert nicht mehr. Wenn zum Beispiel Berliner Rentner einen Seniorenclub aus Angst vor einer Schließung besetzt halten, macht das nicht ohne Grund Schlagzeilen selbst in Singapur. Es ist ein Armutszeugnis für unser Land. Haben wir unseren Rentnern nach einem langen und oft harten Arbeitsleben wirklich nicht mehr zu bieten, als Altersarmut und den Griff zur Flasche? Wo sind die freundlichen Worte für die alte Nachbarin, wo ist die gemeinsame Tasse Kaffee? Wenn Rentner nicht mehr weiterwissen, wenn nur noch die Sucht einen Ausweg aus dem immer gleichen Alltag in der immer gleichen, leeren Wohnung ist, dann muss das die Gesellschaft genauso betroffen machen, wie das Bild der 15-jährigen Teenagerin, die betrunken auf irgendeiner Parkbank liegt. Auch im Alter ist Sucht ein Schrei nach Hilfe - und es wird Zeit, dass wir ihn endlich hören.

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