Schloss Doberlug : Ein Schloss, zwei Könige

Schön wie eine Filmkulisse und gleichzeitig einem Kalender nachempfunden:  der Innenhof des im Renaissancestil errichteten Schlosses Doberlug.
Schön wie eine Filmkulisse und gleichzeitig einem Kalender nachempfunden: der Innenhof des im Renaissancestil errichteten Schlosses Doberlug.

Dank der weißen Fassade kann Schloss Doberlug es mit jeder Filmkulisse aufnehmen. Im Inneren ist aber alles noch eine Baustelle.

svz.de von
09. Dezember 2013, 17:43 Uhr

Ob es im brandenburgischen Renaissance-Schloss Doberlug (Elbe-Elster) wirklich wie überliefert 365 Fenster gibt, hat schon lange niemand mehr nachgezählt. In dem eindrucksvollen Gemäuer mit wechselvoller Geschichte – zuletzt diente es als Kaserne – hat im kommenden Jahr die erste Brandenburger Landesschau ihr Domizil. Unter dem Motto „Szenen einer Nachbarschaft“ geht es um die nicht immer konfliktfreien Beziehungen zwischen Brandenburg und Sachsen.

Hintergrund ist der Wiener Kongress, der vor 200 Jahren nach den napoleonischen Kriegen die Beziehungen in Europa neu regelte. Zwei Drittel des sächsischen Gebietes fielen dabei an Preußen, darunter Schloss Doberlug im heutigen Doberlug-Kirchhain. Die Lage des Ortes im Süden Brandenburgs ist aus Sicht von Bürgermeister Bodo Broszinski (FDP) für die Landesschau optimal. „Wir sind gut von Dresden, aber auch Berlin zu erreichen“, sagt er und hofft zwischen Juni und November kommenden Jahres auf einen großen Besucheransturm. Die Stadt rechnet mit viel Aufmerksamkeit. Auch die örtliche Tourismusbranche bereitet sich vor. Dazu werden spezielle Kulturrouten vorbereitet, zugeschnitten auf die Interessen der Besucher. Insgesamt 70 000 Besucher werden erwartet.

Im Inneren des Schlosses bleibt derzeit kaum ein Stein auf dem anderen. Filigrane Stuckornamente an den Decken werden repariert oder originalgetreu ergänzt, alte Fußböden herausgerissen und wieder neu verlegt, dazu die Wände neu gestrichen. Entdeckte erhaltenswerte Malereien müssen gesichert werden. „Einiges bleibt auch so wie es war“, betont Bürgermeister Broszinski. Das sei viel interessanter und lebendiger, zeige Geschichte. Heizungen werden eingebaut, Elektroleitungen verlegt. Über 30 Gewerke müssen auf der Baustelle Hand in Hand arbeiten. Rund 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche, verteilt auf 16 Räume, würden benötigt, sagt Elke Scheler, Leiterin Kommunikation der Ersten Brandenburgischen Landesausstellung. Vorbereitet wird die Schau vom Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam.

Zahlreiche Exponate aus verschiedenen Museen und Sammlungen sollen in Südbrandenburg gezeigt werden. „Die Schau läuft in sieben Szenen ab, mit einem Pro- und einem Epilog“, sagt Scheler. Ein Grenzstein aus Sachsen erwartet am Eingang die Besucher, einer aus Preußen am Ende des Rundgangs. Dazwischen geht es um viele Themen der brandenburgisch-sächsischen Beziehungen, um Vorurteile und Klischees. Eine große Rolle spielen die beiden Protagonisten jener Zeit: Sachsenkönig August der Starke (1670-1730) und Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786).

Nach Angaben des Brandenburger Wissenschaftsministeriums geht das Land von Kosten in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro aus. 50 Prozent der Gesamtausgaben werden je zur Hälfte aus öffentlichen sowie aus Mitteln von Kulturstiftungen und privaten Förderern bestritten. Das Land trägt rund 950 000 Euro, der Landkreis rund 300 000 Euro.

Auch wenn sich zunächst alles um den Eröffnungstermin der Schau zu Pfingsten dreht, denkt Bürgermeister Broszinski schon an die Zukunft des einstigen Wettinerschlosses. „Ein Standesamt und Hochzeiten sind möglich“, sagt er. Im idyllischen Innenhof sieht er ein Café. Die Architektur soll an einen Kalender erinnern: Das Eingangstor symbolisiert das Jahr, die zwölf Giebel die Monate, die 52 Räume die Wochen und die 365 Fenster die Tage.

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