Scomber Mix : Ein Ostprodukt erobert die bundesdeutschen Regale

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08. März 2016, 19:35 Uhr

Er galt als in Fischdosen verpacktes Fernweh und verhieß ein Stück weite Welt: der Scomber Mix. Die Fischdose der VEB Fischwerk Sassnitz galt seit Ende der 1970er Jahre als Renner in den DDR-Kaufhallenregalen und bereicherte manch tristes Abendbrot um eine Delikatesse.

Die Sassnitzer Eigenentwicklung bestand aus Makrelenfilet (Scomber scombrus), das gedämpft und zerkleinert mit Tomatencreme und einer Gemüsemischung in die 125-Gramm-Clubdose kam. Nach einem Einbruch der Verkaufszahlen unmittelbar nach der Wende ist der Scomber Mix heute mit 4,5 Millionen Dosen pro Jahr Firmenangaben zufolge wieder das beliebteste Produkt der Fischwerke-Nachfolger, der Rügen Fisch AG.

Zu DDR-Zeiten wurde die Fischkonserve auf einer Verarbeitungslinie produziert, die für die „Gestattungsproduktion“ aus Dänemark geliefert worden war. Neben hochwertigen Fischdosen für den Westen lief auf dieser Linie auch der Scomber Mix für den Osten übers Band.

In Leipzig erhielt der Kassenschlager im Jahr 1987 „Messegold“.

Nach der Währungsunion fand der Scomber Mix zunächst nicht den Weg in die Regale. Die Einkäufer der Handelsunternehmen seien der Meinung gewesen, dass „zerstückelte und gemixte Fische in Dosen“ nicht zu verkaufen seien, erinnern sich alte Fischwerker. Im Juni 1995 übernahm eine Handelskette in Stavenhagen dann 4000 Dosen für einen Probeverkauf. Der Verkauf lief blendend. In den folgenden Wochen wurden bereits 16 000 Konserven wöchentlich geliefert. Noch im Jahr 1995 stieg der Absatz auf 900 000 Dosen, im Jahr 1997 auf 3,9 Millionen Dosen.

Die Rügen Fisch AG hat inzwischen ihr Top-Produkt um neue Geschmacksvariationen erweitert: Neben der klassischen Variante gibt es das zerkleinerte Makrelenfilet in scharfer und würziger Variante.

Die Scomber Mix-Rezeptur bleibe mit Blick auf die Mitbewerber geheim, heißt es aus der Firmenzentrale.

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