Ein Mann kämpft gegen Sprachsalat

Kann denn, wo Tanz angeboten wird, nicht auch Tanz draufstehen? Das fragt Prof.  Dieter Rasch. In Rostock  findet er  viele  solcher Beispiele.  Foto: Karina Hoppe
Kann denn, wo Tanz angeboten wird, nicht auch Tanz draufstehen? Das fragt Prof. Dieter Rasch. In Rostock findet er viele solcher Beispiele. Foto: Karina Hoppe

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07. Februar 2008, 06:26 Uhr

Rostock - Nein. Ein Sprachpurist ist Prof. Dr. Dieter Rasch nicht. Er mag nur keinen Sprachsalat und schon gar kein Denglisch. Der Rostocker möchte seine Brötchen lieber weiter beim Bäcker kaufen – und nicht in einer „back factory“. Deswegen ist Rasch im Verein Deutsche Sprache. Er leitet hier die Region 18 und damit „leider nur“ 20 Mitglieder.
Wenn Prof. Dr. Dieter Rasch durch die Straßen Rostocks geht, ärgert er sich. In der Kuhstraße muss er „persona service“ lesen, in der Kröpeliner gibt’s eine „back factory“ und in der Doberaner steht etwas von „Body Attack“. „Was das ist? Keine Ahnung“, sagt er.

„Heißt ,back factory’ eine Hinterhof-Fabrik?“
Rasch weiß nur, dass ihn diese Flut an Anglizismen stört, obendrein auch noch deren undurchsichtiger Gebrauch. „Soll back in der ’back factory’ jetzt backen heißen oder ist das eine Hinterhof-Fabrik?“ Rasch muss lachen, wenn er das fragt, aber eigentlich findet er es nicht komisch.

Nein, Rasch ist kein Professor für Germanistik. Der Rostocker hat Mathematik studiert. Während des Semesters wohnt er in Wien. Er hat dort eine Gastprofessur für Angewandte Statistik an der Universität für Bodenkultur. So kennt sich Rasch mit Zahlen aus, ist aber gleichzeitig auch ein sprachempfindsamer Mensch. Deswegen trat er 1998 in den Verein Deutsche Sprache ein. „Der hat weltweit mehr als 30000 Mitglieder“. Die Ortsgruppe Rostock – Rasch leitet sie – ist im Vergleich zu anderen sehr mager bestückt: Von den 20 Mitgliedern hier, sind „auch nicht alle aktiv“.

Aber die, die sich unregelmäßig meist im Rostocker Café Lindenpark treffen, reden auch über dieses eine große Ziel: „Die Deutsche Sprache soll in das Grundgesetz aufgenommen werden.“ In Österreich, in der Schweiz und Lichtenstein sei es ja auch so. „Nur hier hatte man nach dem Krieg Angst vor diesem Schritt.“ Jetzt sei es aber Zeit, in Nordrhein-Westfalen habe es ja gar die Bestrebung gegeben, Englisch zur Landessprache zu machen.

Die Franzosen, sie sind für Rasch ein gutes Vorbild in Sachen Sprachpflege. „Da hat ja das Kultusministerium 2003 sogar per Gesetz in allen öffentlichen Stellen das Wort E-Mail verboten“, so Rasch. Stattdessen benutzt man dort die Wortneuschöpfung „couriell“.
„Wir wollen überzeugen, nicht erzwingen“Dieses Ansinnen findet Rasch gut. „Aber wir wollen es hier in Deutschland ohne Gebrauchs-Gesetz schaffen, nur die Sprache als solche im Grundgesetz verankern.“ Die öffentlichen Stellen sollen sich irgendwann aus Überzeugung gegen die englische Wortflut wehren.

So wie Rasch. Er erhält keine E-Mails, er erhält E-Briefe. Er schreibt nicht mit einem Laptop, sondern mit einem Klapprechner. „Aber, ich bin kein Sprachpurist.“ Rasch wolle also nicht alle Fremd- und Lehnwörter aus der deutschen Sprache entfernen. Darauf legt er großen Wert. Schließlich sei die Sprache ja lebendig. Und wenn fremde Wörter übernommen werden, weil es hier keine Entsprechung gibt, sei das völlig in Ordnung. „Nur warum muss es unbedingt Highlight statt Höhepunkt und Referee statt Schiedsrichter heißen?“

Verein wehrt sich gegen „die rechte Ecke“
Wegen dieser Gedanken werde der Verein Deutsche Sprache manchmal „in eine rechte Ecke“ gestellt. „Dagegen wehren wir uns aber vehement, was die machen ist Deutschtümelei, wir wollen nur eine saubere Sprache.“ Dafür verteilt er Faltblätter – keine Flyer – und geht auch einfach in Geschäfte rein, wenn er draußen als Reklame mal wieder Sprachsalat entdeckt hat. „Die Verkäufer wissen dann manchmal gar nicht, was der Name ihres Ladens bedeutet.“ Das sei doch traurig. „Oder etwa nicht?“

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