Ende einer Karriere : Ein Leben für den Asphalt

Hans-Reinhard Reuter ist – noch – Vorstandschef des Landesbetriebs Straßenwesen.
Hans-Reinhard Reuter ist – noch – Vorstandschef des Landesbetriebs Straßenwesen.

Einer der erfahrensten Behördenleiter in Brandenburg geht in den Ruhestand: Der 65-Jährige Hans-Reinhard Reuter verantwortete seit der Wende zuerst das Autobahnamt und später den neu formierten Landesbetrieb Straßenwesen.

svz.de von
22. März 2014, 15:52 Uhr

Es gibt Projekte, die beschäftigten Hans-Reinhard Reuter fast die gesamte Karriere. Die Ortsdurchfahrt Ahrensfelde (Barnim) zum Beispiel, deren immer wieder verschobene Realisierung der Ingenieur mit einem Wort beschreibt: „Katastrophe“. Seit drei Jahrzehnten planen Baubehörden bereits an der Strecke. Das Vorhaben ist bei Anwohnern seit Jahren umstritten – Pendler jedoch ersehnen es herbei.

Aber auch die Oder-Lausitz-Straße wird bis zum Abschied des 65-Jährigen, der zum Monatsende aus dem Amt scheidet, nicht mehr fertig. Die Anforderungen an die Planer hätten sich verschärft, sagt der Chef des Landesbetriebs Straßenwesen. Neue Umweltrichtlinien kamen hinzu, Bürgerinitiativen formieren sich schnell. „Wir brauchen heute die dreifache Zeit als noch Anfang der 1990er-Jahre.“

Begonnen hat der gebürtige Sachsen-Anhaltiner seine berufliche Laufbahn im DDR-Ministerium für Verkehrswesen. Nach der Wende wechselte Reuter nach Brandenburg und übernahm als Direktor das Autobahnamt. „Es herrschte damals Aufbruchstimmung, es gab Millionenbudgets“, so Reuter. Vor knapp neun Jahren wurde er Vorstandschef des Landesbetriebs Straßenwesen.


Sanierung als Mammutaufgabe


Zurückblicken kann der Behördenleiter auf unzählige Spatenstiche und Fototermine, bei denen Bürgermeister, Abgeordnete und Minister die Bänder durchschnitten. Die Sanierung des brandenburgischen Infrastrukturnetzes war eine Mammutaufgabe. „Den 1000. sanierten Autobahnkilometer haben wir noch ausgiebig gefeiert“, erinnert er sich. Fast vier Milliarden Euro flossen in die Schnellstraßen, die über Jahrzehnte bröckelten. Ein Stelldichein von Politikern erlebten die Planer auch nach dem Neubau vieler Bundesstraßen, die sich über 2800 Kilometer im Land erstrecken. Weniger zu feiern gab es auf Landesstraßen – 5800 Kilometer lang. Mehr als die Hälfte dieser Strecken sei in keinem guten Zustand, klagt Reuter. Doch Gelder werden immer knapper.


Reuter packte auch selbst mit an


„Früher hatten wir genug Personal, aber kein Material“, sagt er. „Heute ist es genau andersherum.“

Vor allem der ländliche Raum bereitet ihm Kopfzerbrechen. „Das Aussterben von Regionen beginnt auch mit dem Straßenzustand“, warnt Reuter. „Es kann nicht sein, dass nur im Speckgürtel investiert wird.“ Das sind Worte, die in entlegenen Orten gerne gehört werden, aber der Landesbetrieb kann nur begrenzt etwas ausrichten. Bis 2018 muss die Behörde mit Sitz in Hoppegarten (Märkisch-Oderland), die sich auf 65 Standorte verteilt, ein Drittel der ursprünglich 2500 Stellen einsparen. Um die Stimmung in den Tiefen des Landesbetriebs zu erfahren, packte Reuter einmal jährlich in der Produktion mit an: Der gelernte Maurer steuerte Schneepflüge, sammelte Müll am Straßenrand oder flickte Asphalt.

Reuter hatte die Sparzwänge immer wieder öffentlich kritisiert. „Das Land richtet die Straßenbauverwaltung zugrunde“, sagt er. Stellen können nicht nachbesetzt werden, dies sorge für zunehmende Unzufriedenheit. Irgendwann werde die Öffentlichkeit Notiz nehmen: „Wenn immer mehr Straßen gesperrt werden.“ Selbst einen Nachfolger für seinen Posten gibt es noch nicht – obwohl Reuter auf Bitten von Minister Jörg Vogelsänger (SPD) schon verlängerte.

Und nach der Arbeit? Er habe Haus und Hof in Berlin-Pankow, sei seit 44 Jahren glücklich verheiratet und betreue zwei Enkel, sagt Reuter. „Ich werde jedenfalls nicht wie andere einen Beraterjob annehmen“, sagt er und lacht.

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