Ein Landwirtschaftslehrling überliefert: Leben auf dem Gut und Arbeit im Schweinestall waren schon immer ein hartes Brot

Im Ferkelstall -– Sau mit  Nachkommen.
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Im Ferkelstall -– Sau mit Nachkommen.

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09. Dezember 2013, 00:33 Uhr

Das Leben auf dem Land war immer schon hart. Das zeigt auch ein seltener Fund, ein Kleinod. Landwirtschaftslehrling Carl Friedrich Pogge, der 1937 – 1939 seine Ausbildung auf einem 310 Hektar großen Gut absolvierte, hielt viele Details in seinem „Merkbuch“ fest, das im Privatbesitz erhalten blieb. Düvier ist heute ein Ortsteil der Stadt Loitz im Osten Mecklenburg-Vorpommerns. Mit dem Büchlein liegt eine historische Quelle zur Agrargeschichte vor, denn es werden die Arbeitsabläufe eines Gutes dokumentiert.

Das Inventarverzeichnis zeigt das Nebeneinander von Maschinen und Handarbeitsgeräten auf dem Gut. So gibt es beispielsweise einerseits unter anderem zwei Kartoffelaufnehmmaschinen und zwei Heuwender. Andererseits werden aber noch 20 Kartoffelkratzer, 30 Rübenmesser und zehn Heuharken benutzt.

Carl Friedrich Pogge beschreibt auch einen Arbeitstag im Schweinestall: „Die Arbeit im Schweinestall beginnt um 4.15 Uhr. Die Schweine werden gefüttert, Dauer eine Stunde, der Schweinestall ausgemistet und frisch eingestreut, Dauer 1 1/2 Stunden. Vorher werden die Schweine getränkt, 1/4 Std. Um 7 Uhr ist die Morgenarbeit im Schweinestall beendet. Von 9.30 - 11.30 Uhr holt der Schweinemeister die Magermilch und schüttet sie sofort ein und bringt mit einem Wasserwagen das Spülwasser von der Molkerei, sowie die Tagesschrotmenge vom Kornboden. Von nachmittags 15.30 Uhr werden die Schweine wieder getränkt und anschließend gefüttert bis 17.15 Uhr. Danach Ferkeleintreiben und Stalldurchsicht. Schluß der Schweinestallarbeit um 17.30. Jeden Mittwochmorgen werden die Mastschweine gewogen.“

Die Aufzeichnungen zum Brauchtum überliefern sowohl die ausgeübten Bräuche als auch den damaligen Zeitgeist: „In Düvier haben sich wenig alte Bräuche erhalten. Die Träger der Überlieferungen, die Bauern, waren 1854 abgezogen oder ausgestorben. Ältere Leute erzählen von den Erntefesten, die in Düvier gefeiert wurden noch in der Kruppschen Zeit (1895). Zwei Mastochsen wurden gebraten, und es wurde auf dem Kornboden getafelt. Danach wurde dort lustig getanzt. Seit 1932 ist es Brauch geworden, das Erntefest mit einem Ausflug... zu begehen. “

Von den lustigen Spinnstubenabenden, die Pogge auch erwähnt, erzählt noch heute so mancher auf dem Land. Er berichtet auch von Aberglauben. „Manche alte Bauernregel hat sich erhalten. Das erste Korn wird am Sonnabend angemäht, am Montag gebunden und aufgehockt. Die letzte Handvoll Ähren bleibt auf dem Felde stehen. Auf dem letzten Erntewagen wird der Alte, eine Puppe aus Ähren, mit zum Hof gebracht. Der Montag ist ein schlechter Tag, an dem man nichts Neues anfangen soll. Ist das Wetter montags schlecht, ist es die ganze Woche gut und umgekehrt. Besondere Bedeutung haben die Zwölften. Da soll kein Dung aufs Feld gefahren werden, und mit dem Vieh muß man vorsichtig sein, denn in den Zwölften gehen die ruhigsten Pferde durch.“






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