zur Navigation springen
Neue Artikel

21. November 2017 | 02:09 Uhr

Ein Glas Milch ohne schlechtes Gewissen

vom

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2012 | 05:03 Uhr

Buenos Aires | Die Sonne brennt auf die weite Fläche einer argentinischen Weide. Weit und breit ist kein Flecken Schatten in Sicht. 32 Grad plus. Ausdruckslos und unbeeindruckt schauen die Kühe aus ihren großen Augen, um dann weiter lustlos auf dem dürren Gras herumzukauen. Auch für sie ist die Hitze nahezu unerträglich. Wo die Weide aufhört, wachsen auf riesigen Feldern Mais und Soja - einmal im Jahr geerntet, bilden sie den Hauptbestandteil des Futters für die Kühe, neben Eiweißkraftstoffen und Antibiotikum, um die unausgewogene Ernährung auszugleichen. Schon die Kälber erhalten einer Mischung aus Milchpulver und Wasser und Antibiotikum.

Gibt eine Kuh nicht die geforderten 30 Liter am Tag, führt für sie kein Weg mehr am Schlachter vorbei. Tierquälerei und Ausbeutung - dies ist ein sicherlich drastischer, aber keineswegs übertriebener Einblick in eine konventionelle Milchfarm. Etwa 95 Prozent der Betriebe hier funktionieren auf diese Art und Weise. Die auf den Feldern benutzten Pestizide und die Monokultur führen auf Dauer zu einer Vielzahl negativer Faktoren: Entwässerung, Störung des Mineralhaushaltes etc. "Und wenn der Boden nichts mehr hergibt?", fragen wir den Bauern. "Dann kaufe ich mir ein Stück Land im Süden. Noch größer, noch fruchtbarer." An die Folgen denkt er nicht, oder er will nicht daran denken. Kurzfristige Gewinnmaximierung zählt. Sicherlich, für ihn und die Wirtschaft bringt diese Herangehensweise Vorteile. Doch was ist mit dem Boden, den Organismen, die ihn bewohnen, der umliegenden Natur? Die muss sich über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte hinweg davon erholen.

Wir auf der La Choza sind auch nicht perfekt. Wir müssen Kompromisse eingehen, die nicht immer strikt bio-dynamisch sind, wir benutzen Traktoren, und das Futter für unsere Kühe stammt nicht zu 100 Prozent aus Eigenproduktion. Dennoch liegt unser Hauptaugenmerk auf nachhaltigem Arbeiten beruhend auf der Tatsache, dass die Natur ihren Rhythmus hat. So werden Feld und die Weide auch in 50 Jahren noch fruchtbar sein, und wir können unsere Milch ohne ein schlechtes Gewissen trinken.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen