Ein Bundespräsident ist zur Stelle

svz.de von
18. März 2013, 10:09 Uhr

"Was für ein schöner Sonntag." Mit diesen schlichten Worten ging ein großes Aufatmen durch Deutschland. Und es war heute vor einem Jahr nicht nur Joachim Gauck, dem ein Stein vom Herzen fiel.

Als Gauck an jenem Sonntag gewählt war, hatte erst Horst Köhler aus Frust hingeworfen und musste Christian Wulff nach den Eskapaden um Hauskredite und gesponserte Urlaubsreisen zurückzutreten. Vom neuen Bundespräsidenten wurde nicht weniger erwartet, als den Respekt vor dem Amt wiederherzustellen. Nach einem Jahr lässt sich feststellen, das ist ihm gelungen. Dieser Bundespräsident Joachim Gauck tut Deutschland gut.

Gauck ist ein Mann des Wortes und einem Bundespräsidenten bleiben nicht viel mehr Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Das Wort ist, im besten Sinne, seine einzige Waffe, Debatten anstoßen und ihnen eine Richtung zu geben.

In Sachen Europa nutzte der Bundespräsident seinen Freiraum. Bei der Kanzlerin wird jedes Wort gewogen von den Krisenländern, von den Märkten, von der Opposition. Der Bundespräsident ist frei davon. Er kann das Unbehagen gegen Brüsseler Regelungswut benennen. Und die Frage aufwerfen: Was bringt Europa uns? Gauck tut das in seiner unaufgeregten Art eines Theologen, der sonntags von der Kanzel spricht. Er ist ein Ruhepol in dieser aufgeregten Berliner Republik.

Er fand die richtigen Worte, als die Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) aufgedeckt wurde. "Euer Hass ist unser Ansporn. Wir schenken euch auch nicht unsere Angst."

Zu einer großen Rede haben sich Gaucks Worte noch nicht summiert. Er lotet seine Grenzen aus und überschreitet sie manchmal auch. In Israel korrigierte er Angela Merkel, als er die Sicherheit Israels bestimmend für Deutschland nannte. Zur Staatsräson, wie Merkel, machte er sie nicht und fügt stattdessen hinzu, eben jene könne die Kanzlerin einmal in Schwierigkeiten bringen. Das Parkett der internationalen Politik ist glatt und Joachim Gauck rutschte darauf aus. Doch es wäre ihm Unrecht getan, an dieser Stelle der Bewertung stehen zu bleiben.

Aber er lernt und korrigiert seine Worte, wenn sie ihm nicht mehr angemessen erscheinen. So hat er es bei Thilo Sarrazin gemacht, dessen Buch "Deutschland schafft sich ab", er mutig nannte. Heute nennt er es leichtfertig.

Gauck hat in zwölf Monaten als Bundespräsident gezeigt, dass er die Menschen für sich gewinnen kann, dass er offen und neugierig für ihre Bedürfnisse ist. Ein guter Präsident ist zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Joachim Gauck ist da.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen