Bonner Klimagipfel : Ein bisschen Klimarettung

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) äußert sich am in Bonn zu den Ergebnissen der Weltklimakonferenz.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) äußert sich am in Bonn zu den Ergebnissen der Weltklimakonferenz.

Die Ergebnisse des Bonner Klimagipfels sind lediglich Zwischenschritte.

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20. November 2017, 05:00 Uhr

Bei der zweiwöchigen Weltklimakonferenz in Bonn haben die Staatenvertreter darüber beraten, wie die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens von 2015 umgesetzt werden sollen. Sie trafen keine weitreichenden politischen Entscheidungen, einigten sich aber auf Zwischenschritte zur Konkretisierung des Vertrages, der die Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad begrenzen soll. Die Ergebnisse  im Überblick:

Pariser Regelbuch: In Bonn erarbeiteten die Staatenvertreter Entwürfe für die Transparenzregeln und Berichtspflichten, die sich die Länder im Kampf gegen die Erderwärmung geben wollen. Geklärt werden muss, nach welchen Methoden die Staaten ihren Treibhausgas-Ausstoß erfassen sollen. Konkrete Beschlüsse soll es beim Gipfel 2018 im polnischen Kattowitz geben.

Überprüfung und Verschärftung von Klimaregeln: 2018 wollen die Staaten überprüfen, wie die Welt bei der Minderung der Treibhausgase insgesamt vorankommt. In Bonn haben sich die Klimadiplomaten darauf geeinigt, wie diese Überprüfung gestaltet werden soll. 2020 sollen die Länder laut Pariser Abkommen neue, ehrgeizigere Zusagen zur CO2-Reduktion machen. In Bonn sicherten sie zu, dass sie bereits 2018 und 2019 eine Bilanz ihrer nationalen Anstrengungen ziehen wollen.

Finanzen: Im Pariser Abkommen haben die Industrieländer zugesichert, arme Staaten bei der Anpassung an die Erderwärmung und beim Klimaschutz finanziell zu unterstützen. Bis 2020 soll die Unterstützung auf 100 Milliarden Dollar jährlich anwachsen. In Bonn drangen die Entwicklungs- und Schwellenländer darauf, den Aufwuchs der Mittel zu beschleunigen. Die reichen Länder sagten zu, die Umsetzung ihrer finanziellen Versprechen in den kommenden Jahren zu überprüfen.

Verluste und Schäden: In der Frage, wie mit klimabedingten Schäden umzugehen ist, gab es keine Annäherung zwischen Entwicklungs- und Industriestaaten. Am Rande der Konferenz starteten Deutschland und die Fidschi-Inseln eine Initiative, mit der rund 400 Millionen Menschen zusätzlich Klimarisikoversicherungen erhalten sollen.

Anpassungsfonds: In Bonn rangen die Delegierten um die Zukunft des Fonds, der armen, besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten helfen soll, sich an die Folgen der Erderwärmung anzupassen. Der Fonds, in den jährlich 100 Millionen Euro fließen, ist Teil des auslaufenden Kyoto-Protokolls. Offen ist, wie dieser künftig gespeist werden soll. Die soll beim kommenden Klimagipfel angegangen werden.

Anti-Kohle-Allianz: Auf der Konferenz schlossen sich rund 20 Staaten zu einer Allianz für einen raschen Kohleausstieg zusammen. Deutschland gehört nicht dazu.

Kommentar von Tobias Schmidt: "Vorreiter als Bremser"

Die positivste Nachricht des Weltklimagipfels: Der Geist von Paris lebt. Die Staatengemeinschaft bleibt geschlossen im Kampf gegen die Erderwärmung. US-Präsident Donald Trump ist es nicht gelungen, die Länder zu spalten, seine Abgesandten verhielten sich in Bonn still bis konstruktiv. Auch das Nachsitzen bis ins Wochenende hat sich gelohnt: Ein alter Fonds aus dem Kyoto-Protokoll  wurde in letzter Minute erneuert und ins neue Regelwerk aufgenommen. Auch der Beschluss, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Ringen um die Zusatzmaßnahmen zu beteiligen, um die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, ist ein wichtiger Erfolg.

In Bonn wurden die Hausaufgaben erledigt. Die Umsetzung der in Paris vereinbarten Ziele ist näher gerückt und die Hoffnung gewachsen, das komplizierte Regelwerk zur Überprüfung der nationalen Maßnahmen nun im kommenden Jahr unter Dach und Fach bringen zu können.

Für den Wermutstrophen des Gipfels sorgte Gastgeber Deutschland. Durch den Streit der Jamaika-Sondierer um den Kohleausstieg wächst die Sorge, die Bundesrepublik werde in Sachen Klimaschutz vom Vorreiter zum Bremser. Auf den Zug der neuen Anti-Kohle-Koalition konnte Berlin nicht aufspringen.  Es wäre verheerend, würden sich Union, FDP und Grüne in ihren Verhandlungen weiter im Klein-Klein verlieren und das Ziel aus den Augen verlieren, den Planeten zu schützen.

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