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14. Dezember 2017 | 14:20 Uhr

Ehrenamt ist abgebrannt?

vom

svz.de von
erstellt am 14.Dez.2011 | 08:17 Uhr

Es ist beachtlich, wie weit zwei Standpunkte zu ein und demselben Thema auseinander liegen können. Zum Beispiel beim Ehrenamt. In seiner gestrigen Regierungserklärung klopfte sich Ministerpräsident Erwin Sellering kräftig selbst auf die Schulter. "Mehr als 500 000 Menschen engagieren sich ehrenamtlich bei uns in Mecklenburg-Vorpommern - das ist eine wirklich beachtliche Zahl", sagte Sellering. Wie die Unterstützung des Ehrenamtes durch die Politik in Zukunft aussehen soll, ließ Sellering offen. Nicht ohne Grund. Denn - so wollte es der Zufall - just am selben Tag präsentierte der Soziologe Thomas Gensicke in Schwerin Ergebnisse einer groß angelegten soziologischen Studie des Instituts TNS Infratest zum Thema Ehrenamt. MV kommt darin nicht gut weg. Der Ländervergleich lässt Sellerings Jubel in einem ganz anderen Licht erscheinen. Die Quote der Freiwilligen in MV liegt der Studie zufolge bei 29 Prozent. Einzig und allein Sachsen-Anhalt hat mit 26 Prozent einen noch niedrigeren Wert. Zum Vergleich: In Bundesländern wie Niedersachsen und selbst im kleinen Rheinland-Pfalz liegt die Quote bei jeweils 41 Prozent. Wachstumsraten gibt es keine. Im Gegenteil: Während der Anteil innerhalb der vergangenen Jahre in den meisten Bundesländern stieg, sank die Quote in MV. Besonders bemerkenswert: In manchen Altersgruppen sank das ehrenamtliche Engagement, obwohl die Befragten angaben, sich gerne stärker einbringen zu wollen. Hinweise darauf, dass es strukturelle Probleme gibt. Auch deshalb ging der Soziologe in Sachen Ehrenamt hart ins Gericht mit Sellering und der Landesregierung. Er kam zu dem Schluss, dass von Seiten der Regierung zu wenig getan werde. Recht hat er, schließlich haben Niedersachsen und Rheinland-Pfalz vorgemacht, dass schlüssige Konzepte auch gute Ergebnisse liefern. In den ländlichen Regionen sind über 70 Prozent der Menschen nicht ehrenamtlich engagiert. Diese Menschen brauchen Unterstützung. Zum Beispiel beim Thema Mobilität. So mancher sitzt auf dem platten Land und weiß nicht, wie er zu seinem Ehrenamt kommen soll. Selbst wenn er sich noch so gerne einbringen will. Andere müssen überhaupt erst einmal von Angeboten erfahren. Netzwerken lautet hier das Stichwort. Nur zwei Punkte, in die die Landesregierung investieren sollte. Gelungen ist das bereits bei der Versicherung für Freiwillige. Das war ein Schritt in die richtige Richtung. Von einer beachtlichen Zahl sprach Sellering. Von einer beachtlichen Zahl sprach auch Gensicke. Wenn zwei das Gleiche sagen, ist es noch lange nicht dasselbe. Wirklich beachtlich.

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