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12. Dezember 2017 | 03:50 Uhr

EHEC-Puzzleteile ergeben langsam ein Bild

vom

svz.de von
erstellt am 20.Jun.2011 | 11:15 Uhr

Frankfurt/Main | Vorübergehend sah es nach Entspannung aus: Sprossen waren die Ursache für die vielen EHEC-Fälle, die Zahl der Neuinfektionen ging zurück. Die Verbraucher atmeten auf. Daher schlug am Freitagabend die Nachricht wie eine Bombe ein, dass in einem kleinen Bach im Norden Frankfurts EHEC-Keime des neuen, besonders aggressiven Stamms O104:H4 gefunden wurden. Als mögliche Ursache kam schnell eine Kläranlage ins Spiel. EHEC-Experten sind nicht überrascht von dieser Entdeckung: "Viele Menschen scheiden derzeit den Erreger aus", kommentierte Prof. Helge Karch vom Universitätsklinikum Münster (UKM). Über die Fäkalien von EHEC-Patienten könne das Bakterium in die Umwelt gelangen und sich dort einnisten. Der Erreger bilde eine Schleimschicht, in der er in freier Natur auch längere Zeiträume gut überstehe, sagte Karch.

Zu einem Infektionsrisiko durch Bewässerungswasser für Gemüse könnte es allerdings nur kommen, "wenn im weiteren Verarbeitungsprozess Bedingungen geschaffen werden, die den EHEC ein Wachstum ermöglichen, so dass für eine Infektion relevante Konzentrationen auftreten", heißt es in einer Information des Umweltbundesamtes. Das könnte etwa im Fall der mit EHEC belasteten Sprossen durchaus der Fall gewesen sein, denn sie werden bei Temperaturen gezogen, bei denen sich Keime gut vermehren.

Eine weitere Indizienkette hatte sich in der vergangenen Woche in Nordhessen geschlossen. Zum ersten Mal konnte im Raum Kassel nachgewiesen werden, dass der Erreger von Menschen auf Lebensmittel übertragen werden kann. Die Mitarbeiterin eines Partyservices hatte sich mit dem aggressiven EHEC-Keim infiziert. Sie hatte aber noch keine Symptome und war daher vermutlich nicht vorsichtig genug, als sie Speisen für eine Familienfeier zubereitete. Sie übertrug den Keim auf mehrere Lebensmittel - 20 von 65 Gästen erkrankten daran.

Seit Ausbruch der Krankheitswelle sind in Deutschland mindestens 38 Menschen daran gestorben. Nach den jüngsten Zahlen des Robert Koch-Instituts sind bundesweit mehr als 2600 EHEC-Fälle bekannt sowie rund 800 mit dem schweren Verlauf des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS).

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