zur Navigation springen
Neue Artikel

23. November 2017 | 16:12 Uhr

Eheaus: Sechsjähriger vor dem Richter

vom

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2012 | 07:53 Uhr

Hagenow/Zarrentin | Vorbei die Harmonie, vorbei das Familienglück. Für den sechsjährigen Klaus* aus Zarrentin bricht eine Welt zusammen, als die Eltern plötzlich getrennte Wege gehen. Das alleine ist schon schlimm genug für den Jungen. Doch Mutter Jutta und Vater Harald H.* setzen noch einen drauf und tragen einen Kampf vor Gericht aus. "Der Leidtragende ist dann in aller Regel das Kind", sagt Silke Mensch. Die Sozialpädagogin vom Internationalen Bund begleitet als Verfahrensbeistand des Amtsgerichtes Hagenow Kinder während des oft langwierigen Elternstreits um das Umgangsrecht. Und der könne ein Jahr und länger dauern.

Nur einmal im Monat soll der Vater seinen Sohn Klaus sehen dürfen, ginge es nach der Mutter. Und das auch nur in Begleitung. "Weil er Drogen nimmt und sich eh nicht ums Kind kümmert", begründet Jutta H. ihre Forderungen. Das lässt sich ihr künftiger Ex-Mann nicht bieten. Er schaltet einen Rechtsanwalt ein, der zunächst versucht, die Eltern außergerichtlich an einen Tisch zu bekommen. Im Bereich des Amtsgerichtes Hagenow funktioniert das mittels eines "Kooperationspapiers zum Wohle des Kindes", welches von Mutter oder Vater ausgefüllt werden muss. Dieses zwingt sie, erste Gespräche etwa mit dem Jugendamt zu führen. "Sie sollen miteinander reden, um gemeinsam die beste Lösung fürs Kind zu finden", erklärt Ulrich Görn vom Fachdienst Jugend in Ludwigslust. Schließlich gehe es nicht darum, um jeden Preis einen Krieg zu gewinnen.

Nicht so zwischen Jutta und Harald H.. Auch Klaus’ Mutter zieht jetzt einen Anwalt hinzu, während der Vater den Schritt vors Gericht setzt. Er stellt einen Umgangsantrag beim Familiengericht Hagenow, womit auch Klaus das erste Mal vor einen Richter gezerrt wird. Ein Tag vor dem Erörterungstermin hört der Familienrichter zusammen mit dem Verfahrensbeistand Kinder ab drei Jahren an. Spielerisch nähert sich Familienrichter Michael Dallmann dem sechsjährigen Klaus, um mehr über die familiären Hintergründe zu erfahren. Verfahrensbeistand Silke Mensch an seiner Seite. Mit Fingerpuppen versucht sie, mehr über die Familie zu erfahren. "Die Situation des Kindes wird von den Eltern meist nicht beachtet", sagt Pädagogin. Hin- und hergerissen befinden sich die Kleinen in einem Loyalitätskonflikt, fühlen sich selbst schuldig an der Situation. "Dabei sind sie in den Anhörungen gleichzeitig voller Hoffnung, dass die Eltern wieder zusammenfinden."

Ergebnis des ersten Gerichtstermins: Einmal im Monat darf Harald H. seinen Sohn nun sehen, in Begleitung der Mutter. Doch selbst die begrenzte Zeit hält Jutta H. nicht ein. Immer wenn es zum Treffen kommen soll, ist Klaus angeblich krank. Außerdem stellt sich bei den ersten vereinbarten Terminen bei der Familienberatung heraus, dass die Eltern überhaupt nicht miteinander umgehen können. Zwei Monate später reicht es Harald H.. Er verliert die Geduld, geht erneut zu seinem Anwalt, weil es nicht klappt mit dem Umgangsrecht. Alle Beteiligten müssen vier Wochen später nochmal vor Gericht erscheinen - auch Klaus zu seiner Anhörung einen Tag vor der Verhandlung. Streit, Hin- und Hergezerre, keine Einigung.

Ein Umgangspfleger kommt ins Spiel. Per Gerichtsbeschluss soll dieser sich nun einklinken. Franz Daetz ist so ein Pfleger, der etwa sechs Monate Kontakt zum Kind, zu den Eltern und deren Anwälten hält. "Wir versuchen, nochmal alle an einen Tisch zu holen", erklärt der Rechtsanwalt. "Wenn der Umgang nicht einvernehmlich klappt, droht ein Ordnungsgeld." Parallel dazu wird ein Sachverständigengutachten angefertigt - bis dann nach drei bis sechs Monaten der nächste Gerichtstermin ansteht, vor dem auch Klaus erneut angehört wird. Eine Belastung für jedes Kind, weiß Silke Mensch. "Deshalb sollten die Probleme der Eltern nicht auf dem Rücken des Kindes ausgetragen werden." Ende offen.

*Namen der Familie geändert

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen