Ebbe im Bio-Tank: Tankwarte rüsten ab

Tankstellen bauen Ökosprit-Zapfsäulen ab: Nach drastischen Steuererhöhungen auf Bio-Diesel greifen Autofahrer nur noch selten zu. Hunderte Tankstellen haben den Verkauf von Raps-Kraftstoff eingestellt. Die Verarbeiter bleiben auf dem Bio-Kraftstoff sitzen. In vier Werken in MV steht die Produktion.

von
11. Februar 2009, 08:12 Uhr

Schwerin | Er war einer der ersten in MV, bei dem Autofahrer Biodiesel zapfen konnten. Nun hat Karl-Heinz Schulzke, Chef der Raiffeisenwarengenossenschaft Brahlstorf, am Tanktreff Vellahn (Landkreis Ludwigslust) den Verkauf eingestellt. Seit der Bio-Diesel nach der Steuererhöhung teilweise sogar um bis zu vier Cent teurer war, tanken die Autofahrer lieber normalen Diesel, erklärt der Tankstellen-Betreiber. "Das lohnt nicht mehr." Vor wenigen Jahren noch war der Bio-Sprit mindestens zehn Cent je Liter billiger. Die 10 000 Liter im Tank waren innerhalb von drei Monaten nicht mehr zu verkaufen, sagte Schulzke. Täglich geben mehr Tankwarte das Öko-Geschäft auf.

Jahrelang hatte Deutschland den Einsatz von Bio-Diesel forciert, jetzt gibt es für den Kraftstoff kaum noch einen Markt. "Die Steuer bringt in Deutschland hergestellten Biodiesel ins Aus", sagte Stephan Zieger, Chef des Verbandes Freier Tankstellen. Außerdem hätten die Autohersteller für den Gebrauch von Bio-Diesel in Neuwagen immer weniger Freigaben erteilt, so dass die Sorge über technische Komplikationen wieder gestiegen sei. Von den von der Arbeitsgemeinschaft Qualitätsmanagement Biodiesel 1200 lizensierten Stationen haben sich bundesweit 950 aus dem Geschäft zurückgezogen.

Der für die vorgeschriebene Beimischung zu normalem Diesel notwendige Öko-Sprit könne die Ausfälle nicht ausgleichen, meinte Zieger. Außerdem würden die größten Mineralölkonzerne längst auf billigeren Bio-Diesel aus dem Ausland zurückgreifen.

Mit der Steuerentscheidung steht eine ganze Branche auf der Kippe: Nur vier Jahre nach dem Aufbau einer 32 Millionen Euro teuren Anlage stellt das Biodieselwerkes der Eco-Motion GmbH in Sternberg kommende Woche die Produktion vorrübergehend ein. "Die Biodiesel-Branche ist jahrelang zu Investitionen ermutigt worden, die auch mit Steuergeldern gefördert worden sind. Ohne triftigen Grund hat die Politik jetzt mehrfach die Rahmenbedingungen zum Nachteil der deutschen Biodieselproduzenten geändert", erklärte Ecomotion-Chef Axel Becker. Auch für die 2001 eröffnete Ecomotion-Anlage in Malchin sei Kurzarbeit beantragt worden. Stillstand auch beim Rapsverarbeiter Premicon in Lubmin: Dort wurden ebenso wie in Werken in Grimmen und Neubrandenburg die Anlagen abgeschaltet. Bundesweit wird inzwischen nur noch ein Fünftel der 4,8 Millionen Tonnen umfassenden Verarbeitungskapazität genutzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen