Dumme Muskelprotze?

Wer Muskeln hat, ist meist doof – Menschen mit Brille dagegen schlau. Und aus Computerspielern werden später Amokläufer, oder? Vorurteile gibt es überall, auch junge Bützower treffen immer wieder auf Klischees. Doch was ist tatsächlich dran an Vorurteilen?

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27. Februar 2008, 08:46 Uhr

Bützow - Streber tragen stets eine Brille. Oder ist es vielleicht anders herum? Alle Brillenschlangen sind Streber? Die 19-jährige Maja Grenz hat seit ihrem elften Lebensjahr ein „Nasenfahrrad“. Sie sagt, das Klischee sei unangebracht und oberflächlich. „Das Äußere sagt doch nicht immer etwas über die Person aus“, kritisiert die Bützowerin. „Dass ich eine Brille trage, hat sich leider noch nicht positiv auf meine Zensuren ausgewirktnur auf mein Sichtfeld“, erzählt die 12-Klässlerin schmunzelnd. Sie selbst würde sich ganz und gar nicht als Streberin bezeichnen. „Mit Brille sieht man klug aus, mehr muss das aber nicht heißen“, sagt Maja und lacht.

Dem Klischee nach leben Deutsche angeblich von Bratwurst und Sauerkraut, das weiß auch Anne Pankow. Die Warnowerin wäre dann allerdings kein vollwertiger Bundesbürger mehr. „Früher mochte ich Bratwurst. Aber seit fünf Jahren bin ich Vegetarierin. Ich will Tiere nicht essen, wenn ich es nicht muss“, so die 19-jährige. Aber sie muss sich ständig anhören, dass Vegetarier doch ohnehin alle Mangelerscheinungen hätten. „Ich nehme keine Nahrungsergänzungsmittel und mein Eisenwerte sind bestens“, widerlegt die Schülerin.

Im Bützower Fitnessstudio trifft man allerhand Muskelpakete an. Stößt man hier auf gähnende Leere im Gehirn? Auch Denny Ilgen kennt die Ansicht, dass „junge, braungebrannte Muskelprotze“ nichts im Kopf hätten. „Das ist totaler Quatsch, ein dummes Vorurteil“, so der 24-jährige. Der Schlemminer ist seit mehreren Jahren begeisterter Sportler, unschwer zu erkennen an seinem mit Muskeln bepacktem Körper. „Du findest hier eine Menge Leute, die „breit“ sind, und etwas im Kopf haben. Wir haben hier sogar einen Doktor unter uns“, sagt er. Er weiß, dass ausreichend Sport Sauerstoff ins Gehirn pumpt, das verbessert die geistige Aktivität.

Weniger um körperliche Kraft, sondern um geistige Aktivität, dreht sich die weit verbreitete Aussage: „Wer Killerspiele spielt, läuft später mal Amok.“ Strategiespiele, in welchen oft Blut spritzt, sind bei jungen Menschen sehr beliebt. Doch was sagen diese Jugendlichen zu dem Vorurteil? „Ich finde, es ist eine Frechheit. Denn bislang konnte man nur bei wenigen Tätern echte Verbindungen zu Spielen herstellen. Der Begriff „Killerspiel“ selbst ist nur ein Begriff, der durch Medien und Politiker geschaffen wurde“, sagt der 21-jährige Konrad Fischer.

Er selbst kennt sich in dieser virtuellen Welt gut aus. „Zum anderen ist nachgewiesen, dass man mit Spielen am PC kein echtes Waffentraining hat. Somit finde ich es unangebracht, wenn ich sofort als Amokläufer oder Psycho abgestempelt werde“, berichtet der Auszubildende.

Ob nun also Klischee oder ernsthaft anzusehendes Problem- zu diesem Thema spalten sich die Ansichten. Dennoch wird deutlich, dass viele vorschnell getane Aussagen zu Recht den Stempel „Klischee“ aufgedrückt bekommen.

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