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23. Oktober 2017 | 15:44 Uhr

Dubiose Reisen ins "Stasi-Hotel"

vom

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2012 | 10:38 Uhr

Warnemünde | Wie oft Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Uwe Barschel (CDU) in die DDR reiste, lässt sich kaum rekonstruieren. Allein 19 Besuche listete die Lübecker Staatsanwaltschaft vor einigen Jahren auf. Häufiges Reiseziel Barschels: Das Hotel "Neptun" in Warnemünde. Dort bezog er meistens Zimmer 1417. Der prominente Gast aus Kiel stieg gerne in der Nobelherberge direkt am Strand ab, deren Bau die Architekten so geplant hatten, dass die Gäste aus jedem der rund 350 Zimmer den Blick aufs Meer genießen konnten.

Was Barschel vermutlich nicht wusste: Zur Luxusunterkunft mit Meerblick hatte er Stasi-Spitzel und Abhörwanzen gleich dazu gebucht. Denn drei Etagen über seinem Zimmer 1417 hatten die Mitarbeiter der Staatssicherheit eingecheckt - und hörten beispielsweise bei einem Aufenthalt im Dezember 1985 jedes Wort im Zimmer Barschels mit. Als Barschel am 13. Mai 1982 seinen 38. Geburtstag in der "Russischen Stube" des Fünf-Sterne-Hotels feierte, lud er drei DDR-Bürger vom Nachbartisch ein. Aus Berichten der Stasi-Unterlagenbehörde geht hervor, dass alle drei inoffizielle Mitarbeiter der Stasi waren. Nach der Wende schickten etliche Redaktionen ihre besten Rechercheure ins Hotel "Neptun". Die Vermutung: Der Schlüssel für Uwe Barschels mysteriösen Tod 1987 müsse dort zu finden sein.

Bald machten Gerüchte die Runde: Der CDU-Politiker sei von der Stasi im Hotel bei Sex-Spielchen gefilmt und erpresst worden. Von illegalen Waffengeschäften mit der DDR war ebenfalls die Rede. Beweise - für das eine oder das andere - fanden sich nie. Viele der rund 500 Angestellten im Hotel "Neptun", das im Volksmund auch "Stasi-Hotel" hieß, sollen sich allerdings nicht ausschließlich um das Wohl der Gäste, zu denen neben Barschel auch andere Politiker, Diplomaten oder Künstler zählten, gekümmert haben: Bis zu 100 sollen als inoffizielle Mitarbeiter für die Stasi gearbeitet haben. Darüber hinaus hatte die Organisation acht konspirative Räume im Hotel.

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