Dreikampf um die Herbstmeisterschaft - Ribéry preist Hoffenheim - Aufatmen bei Schalke, Gladbach trotz Talfahrt mit neuer Hoffnung

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07. Dezember 2008, 07:26 Uhr

Düsseldorf - Die deutschen Fußball-Fans können sich auf einen spannenden Kampf um die Herbstmeisterschaft freuen. Mit seinem Last-Minute-Tor zum 2:1-Sieg des seit Jahren dominierenden FC Bayern München im Duell mit 1899 Hoffenheim hat Weltmeister Luca Toni den Rekordmeister rechtzeitig vor dem letzten Hinrundenspieltag wieder auf Augenhöhe des Emporkömmlings geschossen. Neben dem Spitzenreiter und dem punktgleichen Titelverteidiger (beide 34 Zähler) hat auch Bayer Leverkusen (31) nach dem 3:1 beim neuen Tabellenletzten Mönchengladbach noch Chancen auf den inoffiziellen, aber häufig richtungweisenden Titel.

In den Sonntagspielen des 16. Spieltags setzten sich die beiden Nordclubs Hamburger SV und VfL Wolfsburg durch. Die Hanseaten gewannen nach dem Doppelschlag von Mladen Petric (15./31.) und dem späten Gegentreffer von Milivoje Novakovic (83.) mit 2:1 (2:0) beim 1. FC Köln und festigten ihren Platz im Vorderfeld der Bundesliga. Kuriose Szenen spielten sich in Wolfsburg beim 2:1 (1:0)-Sieg im Niedersachsen-Derby gegen Hannover 96 ab. Nach einer Roten Karte für Hannovers Torhüter Florian Fromlowitz (80./Notbremse) beim Stand von 2:1 durften die 96er nicht mehr wechseln. So musste Mittelfeldspieler Jan Rosenthal ins Tor, der prompt den fälligen Stafstoß von Edin Dzeko parierte und eine höhere Niederlage verhinderte.

Zwei der in heftige Turbulenzen geratene Vereine können auf den Umschwung hoffen. In Gelsenkirchen betrieben die Schalke-Profis mit dem 1:0 gegen Hertha BSC Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze von Manager Andreas Müller und Trainer Fred Rutten. Im Karlsruher Wildpark beendete der KSC dank Stefan Bucks 1:0 gegen Werder Bremen die Leiden von Edmund Becker in dessen 50. Erstliga-Partie als Trainer: Nach neun Spielen ohne Sieg gab es endlich wieder einen Dreier für die Badener.

Doch die Krisen in Gelsenkirchen, wo der laut Andreas Müller „absolute Schalker“ Gerald Asamoah den entscheidenden Treffer erzielte, und beim KSC sind ebensowenig final beendet wie die Werder- Misere. „Wir haben nicht aufopferungsvoll dagegen gehalten, das ist das Schlimmste, was man einer Mannschaft sagen kann. So können wir nicht spielen, wenn wir Hoffnung auf mehr haben wollen“ - Manager Klaus Allofs ging schonungslos mit seinen Profis um, die im Niemandsland dümpeln: Hoffenheim, die Bayern und Leverkusen sind Werder weit enteilt.

An Hoffenheim reichen auch viele andere des Establishments derzeit nicht heran. „Ich muss sagen: Chapeau, Hoffenheim“, stimmte Bayern- Star Franck Ribéry in die Lobeshymnen ein. In 168 Ländern waren die Fußball-Künste des Dorfvereins via TV zu sehen, das Spitzenspiel war beste Werbung für die Bundesliga. „Es hat alles übertroffen“, bilanzierte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, der trotz des Erfolgs sagte, dass die Wiederholung des Meistertitels „kein Selbstläufer wird. Dafür werden wir hart fighten müssen.“

Hoffenheim-Chefcoach Ralf Rangnick wies jeglichen Anspruch von sich, auf Augenhöhe mit den Münchnern zu sein, obwohl Torjäger Vedad Ibisevic sein Team mit dem 18. Saisontreffer lange Zeit mehr als ebenbürtig machte. „Das ist ein Konkurrent, den wir absolut respektvoll behandeln müssen, auch in der Rückrunde“, blickte Rummenigge voraus. Die Bayern müssen zum Hinrunden-Finale beim mit Markus Babbel wiedererstarkenden VfB Stuttgart antreten, Hoffenheim empfängt Schalke, wo Rangnick vor drei Jahren gehen musste, Leverkusen tritt gegen Cottbus an.

Die am meisten gefährdeten Clubs sind Energie Cottbus nach dem 0:3 gegen Stuttgart, der VfL Bochum (0:4 bei Eintracht Frankfurt) und Borussia Mönchengladbach, wo der erhoffte Meyer-Effekt verpufft. Stefan Kießling wurde mit zwei Treffern zum Matchwinner für Bayer und sorgte im Borussia-Park zum wiederholten Mal für Alarmstimmung. Als Hans Meyer zurückkam, war das Team ganz unten, jetzt ist dieser Zustand unverändert.

Trotzdem sprach der Trainer-Oldie davon, dass es das erste Spiel gewesen sei, aus dem sich Hoffnung nährt: Meyer setzt auf Youngster wie den 18 Jahre alten Torschützen Tony Jantschke oder Christian Dorda (20 Jahre), eine System-Umstellung und auf Eil-Verstärkungen. Defensiv ist der fünfmalige Meister höchst anfällig: 33 Gegentore sind ein klares Warnsignal, 13 Pflichtspiele ohne Sieg wie beim VfL Bochum allerdings auch. Dennoch soll Chefcoach Marcel Koller bleiben dürfen: „Unser Bekenntnis zu ihm gilt nach wie vor“, sagte Vorstandsmitglied Thomas Ernst. Die Eintracht dient dabei mit der Nicht-Entlassung von Friedhelm Funkel und zuletzt fünf Siegen aus neun Partien als positives Vorbild.

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