zur Navigation springen
Neue Artikel

23. Oktober 2017 | 10:17 Uhr

"Dorfbild ist endlich wieder komplett"

vom

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2012 | 04:50 Uhr

Groß Lüben | Immer wieder wandert sein Blick gestern zur Kirchturmspitze. Langsam hebt sich das 29 Tonnen schwere Gebilde vom Boden und rückt damit dem Bestimmungsort immer näher. Er, das ist Bernhard Behrens, Vorsitzender des Fördervereins Kirche Groß Lüben. Neun Jahre haben er und seine 33 Mitstreiter gekämpft, um der Dorfkirche, die 1984 ihre Spitze bei einem Unwetter verlor, wieder zu altem Glanz zu verhelfen.

"So ein großes Projekt, das wird nie was, war die einheitliche Meinung damals", erzählte Bernhard Behrens. Doch der Verein hat sich nicht entmutigen lassen. Jährlich wurden Anträge geschrieben und nebenher weiter Geld gesammelt. Im vergangenen Jahr war es dann so weit. Fördermittel wurden bewilligt und so konnte das etwa 200 000 Euro teure Projekt angegangen werden. 103 000 Euro trug das europäischen "Leader Projekt", 20 000 Euro kamen vom Förderverein, den Rest steuerte die Kirchgemeinde bei. "Grundlage für die europäische Förderung war, dass das Bauwerk eine überregionale Bedeutung besitzt", verdeutlichte der Vorsitzende des Fördervereins. Und das dem so ist, darin waren sich alle Einwohner von Groß Lüben einig. "Es ist das Wahrzeichen des Ortes und war immer von allen umliegenden Elbdörfern aus zu sehen", erzählte zum Beispiel Doris Weiß vom Gemeindekirchenrat. Und Brigitte Holländer ergänzte: "Mit dem höchsten Dorfkirchturm in der Prignitz wäre das Ortsbild endlich wieder komplett."

Kaum acht Monate nach der Ausschreibung standen jetzt alle Beteiligten, den Blick gen Himmel gewandt, um die Kirche herum und sahen zu, wie "ihr Wahrzeichen" wieder vervollständigt wurde. Und dass es wieder so aussieht wie früher, dafür sorgten die zahlreichen Originalaufnahmen, die als Vorlage dienten. "Wenn man schon so ein bedeutendes Vorhaben hat, sollte man auch versuchen, es 1:1 wiederherzustellen", war sich Andreas von Scheven vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege sicher. Das dies allerdings nicht in allen Details möglich war, hat ebenfalls nachvollziehbare Gründe. "Da spielt natürlich auch immer der Kostenrahmen mit ’rein. Außerdem waren einige Details auch trotz Lupe nicht zu erkennen", so der Zuständige für die praktische Denkmalpflege.

Nichtsdestotrotz sieht die Spitze für viele Einwohner "genauso aus wie früher". "Da haben die Firmen gute Arbeit geleistet", resümierte Kirchengemeinderatsvorsitzende Birgt Roesch. Vor allem Axel Gollasch und Uwe Zickerich stand noch ein "Adrenalin-Moment" bevor. Sie durften die neue Turmkugel samt Kreuz in 43 Metern Höhe montieren. "Wir nehmen öfter die Bekrönung von Kirchen vor, aber so weit oben waren wir noch nicht", erklärte Bau-Ingenieur Gollasch. Und auch Bernhard Behrens erlebte seine persönliche Schrecksekunde: "Es wurde versäumt, die Genehmigung für eine Sperrung und die Straßennutzung durch den Kran rechtzeitig beim Ordnungsamt zu stellen. Fast hätten wir alles nochmal abbauen müssen." Allerdings ließ sich auch dieses Problem noch kurzfristig lösen. Darüber freute sich auch Norbert Merten besonders. "Nachdem die Spitze verankert wurde, ist die Anspannung weg und ich bin einfach dankbar über das schöne Erlebnis", so der Pfarrer.

Für Bernhard Behrens und den Förderverein ist die Arbeit nach der Beseitigung des "Stumpfs" jedoch keineswegs erledigt. "Unser Satzungsziel war zwar die Turmspitze, aber nun stehen dann halt die Innenraumsanierung und der Unterhalt der Kirche an."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen