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23. November 2017 | 21:28 Uhr

Dorf bleibt Dorf

vom

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2012 | 07:27 Uhr

Die Greifswalder Verfassungsrichter haben geurteilt, die Dorfschulzen können sich freuen. Die kleine Gemeinde Gägelow vor den Toren Wismars zum Beispiel zahlt 200 000 Euro als Amtsumlage, gar 800 000 als Kreisumlage. Seit 2010 kamen noch einmal 90 000 Euro als Umlandumlage hinzu. Da reichte es Bürgermeister Uwe Wendel und sieben seiner Mitstreiter rund um Wismar. Es wurde geklagt. Und die Speckgürtelgemeinden haben recht bekommen. Die Umlandumlage ist so, wie sie jetzt erhoben wird, ungerecht. Sie ist nicht unmöglich. Das sagt das Urteil auch. Dennoch dürfte damit die Sonderabgabe vom Tisch sein. Kein Innenminister wird sich ein weiteres Mal die Finger daran verbrennen. Doch ist das ein Grund zum Jubeln? Wohl kaum. Das Provinzielle sind doch eher die gestrigen Reaktionen. Eingemeindungen, wie sie Schwerins Oberbürgermeisterin als Drohkulisse aufbaut, taugen vielleicht dazu, die Gräben zwischen Städten und Umlandgemeinden noch weiter aufzureißen, nicht jedoch für eine Lösung. Und wenn die Stadt Schwerin das Geld bereits für die Theaterfinanzierung weiter verplant hat, dann ist das ihr Problem und nicht das von Dörfern wie Pampow und Pinnow. Nein, da trifft eher Wismars Bürgermeister den richtigen Ton. Die Umlandumlage war genauso wie die Drohung mit Eingemeindungen eher dazu geeignet, die Fronten zu verhärten als gemeinsame Wege zu finden. Die braucht es aber in der Symbiose von Stadt und Land. Andere Bundesländer kennen das Problem auch. Kulturraumgesetze oder auch Stadtkreise sind Wege, die anderen Orts gegangen werden. Man darf davon ausgehen, dass sich die Landtage bei zwei Kreisreformen - 1995 und 2011 - Gedanken darüber gemacht haben, warum sie solche Wege nicht gingen. Das hat hoffentlich tiefere Ursachen, als dass im Landtag die Abgeordneten aus ländlichen Regionen mit 50 von 71 Parlamentariern gnadenlos in der Überzahl waren. Jetzt muss der neue Landtag die Fehler des alten ausbügeln. Denn dass die großen Städte unterfinanziert sind, ergibt sich aus jeder vergleichenden Finanzstatistik der Kommunen im Land. Wie die Unterfinanzierung geheilt werden soll, das findet sich in keiner Statistik. Das braucht jetzt eine politische Lösung.

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