Österreich: Josef Hickersberger und kleine Zweifel : Die Wunde von Wien

Das "Wunder von Wien" wollten sie schaffen. Doch mit dem 0:1 gegen Deutschland blieb nur die Wunde von Wien zurück. Eine klaffende - das Aus und die schlechteste Bilanz eines EM-Gastgebers: Einen Punkt holte Österreich, ließ offensiv jegliche EM-Reife vermissen. Diese Elf hat bei aller Leidenschaft und trotz großen Einsatzes nichts unter den Top Acht Europas zu suchen.

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19. Juni 2008, 12:58 Uhr

Wie gehts weiter? Personell wird das Team vor der WM-Qualifikation nur punktuell verändert. Sogar Oldie Ivica Vastic (38) steht weiter bereit, mit der Rückkehr des 2006 rebellierenden Paul Scharner (28, Wigan) ist stark zu rechnen.Die Antwort auf die dringlichste Frage lässt auf sich warten: Bleibt Josef Hickersberger (60) der Teamchef? Bis zum Abend des 23. Juni soll ein klärendes Gespräch erfolgen. ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig erklärte auf Anfrage am Mittwoch: "Es geht nur um Details wegen des Trainer- und Betreuerstabs. Ich denke, er wird bleiben."Hickersberger meinte, er wolle sich "der Verantwortung stellen". Daher sagte Österreichs Ex-Nationalkeeper Franz Wohlfahrt zum kicker: "Ziel verfehlt! Er sollte aufhören."Des Teamchefs Vertragsverlängerung scheint jedoch nur Formsache, allerdings nagen kleine Zweifel an ihm, er zögert. Für ihn spricht: Aus einem Team, das am Boden lag, als Kanonenfutter galt, formte er eine Elf, die defensiv weitgehend überzeugte (zwei Gegentore nach Standards, ein Abseitstreffer), topfit war und dank neuer Talente Perspektiven besitzt. Und die ihn als Trainer behalten will. Doch Hickersberger selbst bilanzierte: "Niemand ist fehlerfrei." So auch er nicht: Gercaliu statt Fuchs gegen Kroatien aufzustellen, war ebenso falsch wie den überforderten Hoffer statt Kienast (oder Linz) gegen Deutschland. Top-Joker Vastic am Montag nicht eingewechselt zu haben, begründete der Coach damit, dass "wir die Probleme ganz vorne hatten". Das stimmt, lag aber auch daran, dass wenig Verwertbares geliefert wurde. Wofür Vastic hätte sorgen können.Da die positiven Aspekte seines Wirkens trotz des frühen Ausscheidens unterm Strich aus Verbandssicht überwiegen, ist nachvollziehbar, dass der ÖFB Hickersberger unbedingt halten will. Es fehlt nur sein Ja-Wort. Erfolgt es, säße der Teamchef in der ersten WM-Qualifikationspartie gegen Frankreich (6. September) jedoch nicht auf der Bank. Die UEFA sperrte ihn wegen seines Verweises auf die Tribüne - ebenso wie Joachim Löw - für ein Pflichtspiel.
Über Österreich berichtet Thomas Böker

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