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20. Oktober 2017 | 00:06 Uhr

Die Welt der Literatur ist ärmer

vom

svz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 07:28 Uhr

Noch bevor ich ihn zum ersten Mal im "Literarischen Quartett" sah, erlebte ich Marcel Reich-Ranicki in Lübeck bei einer Thomas-Mann-Tagung. Schon während der Eröffnungsrede sprang da ein kleiner Kobold im eleganten Anzug in der ersten Reihe auf und begann wild draufloszureden. Inge Jens, die Frau des Schriftstellers Walter Jens, stoppte ihn vom Podium herab sofort: "Marcel, du bist nicht dran!" Brav setzte sich der Gerügte wieder auf seinen Platz.

Da hatte ich schon das ganze Phänomen Reich-Ranicki: den kaum zu bändigenden, brillanten Intellektuellen, dem jedes Publikum recht war, um seiner Leidenschaft, der Literatur, mit seiner so markanten Stimme Gehör zu verschaffen. Ganz gleich, ob es Germanisten, Autoren oder die für Literatur doch angeblich eher unempfänglichen Fernsehzuschauer waren. Sie waren es bekanntlich nicht.

Literatur war für ihn immer existenziell. Darum lobte er Bücher, die ihm gefielen, in den Himmel, oder zerriss andere, die ihm missfielen, mit manchmal schwer erträglicher Gnadenlosigkeit. Seit es das "Literarische Quartett" nicht mehr gibt, ist das Fernsehen um ein Ereignis ärmer.

Nun, da "MRR" nicht mehr da ist, ist die Welt der Literatur ärmer geworden - und langweiliger.

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