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24. November 2017 | 05:05 Uhr

Die verlorene Ehre des Christian W.

vom

svz.de von
erstellt am 08.Mär.2012 | 08:05 Uhr

Fackeln, Fanfaren, klingendes Spiel - die Ära Wulff endet so, wie die ganze Affäre im Bewusstsein bleiben wird. Der ehemalige Bundespräsident verspielte mit Pauken und Trompeten jeden Respekt vor seiner Person und weigert sich standhaft, dies zur Kenntnis zu nehmen. Dies kann man bedauern, dies kann man kritisieren, es wird Christian Wulff nicht erreichen oder gar sein Handeln verändern. Das haben gerade die Tage nach seinem Rücktritt gezeigt, die deutlich machten, dass dem einstigen Hoffnungsträger schlicht die Größe für das Amt fehlte. Und so blieb auch das ehrenvolle militärische Zeremoniell gestern letztendlich ohne Ehre. Doch damit sollte jene Debatte, die jedes Maß verloren hat, beendet werden. Dies ist sicher die schwerste Aufgabe der nächsten Tage. Denn die politische Streit(un)kultur in unserem Land lässt befürchten, dass aus der Affäre Wulff noch viel parteipolitischer Profit geschlagen werden soll. Schließlich meinten viele, die auf den ehemalige Herren von Schloss Bellevue einschlugen, in Wirklichkeit die Bundeskanzlerin. Angela Merkel ist mit dem heutigen Zapfenstreich ihre Probleme nicht losgeworden. Weder der aus panischer Angst vor weiteren Wahldebakeln wild um sich schlagende Koalitionspartner noch die Opposition werden sich so einfach in den Ruhestand verabschieden lassen. Für Christian Wulff wird es keinen Weg zurück in die Politik geben - und schon um der Politik wegen darf es diesen auch nicht geben. Zu schwer fällt es bereits jetzt, zwischen dem ehemaligen Träger des Amtes und dem Amt selbst zu unterscheiden. Wer dies bezweifelt, braucht sich nur vor Augen zu halten, wie schwer es vielen Menschen in den neuen Bundesländern fällt, zwischen der Bewertung des Systems DDR und Urteilen über ihre eigene persönliche Lebensleistung zu unterscheiden. Ein Zapfenstreich beendete für die Soldaten einst den Tag. Die Affäre Wulff das Vertrauen vieler Menschen in die Politik. Dies zurückzugewinnen, einzig daran wird sich Wulffs Nachfolger messen lassen müssen.

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