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14. Dezember 2017 | 05:32 Uhr

Die verlorene Ehre des Christian W.

vom

svz.de von
erstellt am 05.Jan.2012 | 08:27 Uhr

Christian Wulff war bereits vor seinem Fernseh-Interview ein Bundespräsident auf Abruf und er ist es geblieben. Das Einzige, was er noch selbst bestimmen kann, ist die Art und Weise seines Abschieds vom Amt. Und selbst diese Gnadenfrist hat Wulff nur noch so lange, wie Angela Merkel nicht öffentlich ihren Daumen senkt. Gerade das demonstrative Schweigen der Kanzlerin spricht Bände - und erinnert immer mehr an das Ende der Ära Guttenberg. Ähnlich wie der Ex-Verteidigungsminister belastet nun der Bundespräsident nicht nur sein Amt, sondern auch die schwer angeschlagene Koalition.
Diese Tendenz allein in einem 15-minütigen Interview umzudrehen, erschien bereits im Vorfeld mehr als zweifelhaft und es ist Christian Wulff auch nicht gelungen. Genauso wenig, wie den richtigen Zeitpunkt für einen selbstbestimmten Abschied in Würde zu nutzen. Wulff bleibt ein Getriebener und er wird weiter getrieben werden. Auch weil es neue Widersprüche gibt, keinen klaren Schlussstrich. Aber egal, ob moralische Verfehlungen aus alten Hannoveraner Zeiten den Bundespräsidenten einholen oder sein sehr eigenwilliges Krisenmanagement zum Sturz führt - eines ist sicher: Die Affäre Wulff wird die Welt nicht ändern. Gewiss ist sie für Deutschlands Ansehen in der Welt wenig hilfreich und auch kein Mittel gegen die oft zitierte Politikverdrossenheit. Zum Glück verhindert die weitgehende tagespolitische Machtlosigkeit des Amtes einen tiefgehenden Schaden.
Ganz anders, blickt man über den großen Teich: Hier wird eine wirklich wichtige Präsidentenfrage gestellt. Die Republikaner suchen den Herausforderer von Barack Obama. In den USA verfügt der Präsident über weitreichende Befugnisse - bis hin zum Kriegseinsatz der Streitkräfte. Grund genug, sich angesichts der verstärkt nationalistischen und rückwärts gewandten Töne aus dem konservativen US-Lager wirkliche Sorgen in einer Präsidentenfrage zu machen. Auch wenn diese erst am 6. November von den amerikanischen Wählern entschieden wird. Die Affäre Wulff ist dann bereits Geschichte.

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