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11. Dezember 2017 | 22:03 Uhr

"Die tun mir leid"

vom

svz.de von
erstellt am 06.Jun.2011 | 08:27 Uhr

Bienenbüttel | Am 25. Juni sollte Hoffest sein. Tanz, Musik, Führungen und ein Quiz - alles unter dem Motto: "Wo wächst denn das schöne Gemüse?" Daraus wird nun wohl nichts. Der Gärtnerhof in Bienenbüttel bei Lüneburg soll eine Quelle der EHEC-Keime sein, die seit fast drei Wochen nicht nur im Norden Deutschlands Angst und Schrecken verbreiten. Nachdem mehr als 20 Menschen starben und mehr als 2000 erkrankten, führen die Spuren angeblich zu dem Bio-Betrieb in der kleinen Gemeinde mit nur 6500 Einwohnern. Erste Labortests bestätigten den Verdacht gestern allerdings nicht: 23 von 40 Sprossenproben waren EHEC-frei, der Rest wird noch untersucht.

Dennoch sieht das Verbraucherministerium in Hannover den Hof weiter als wahrscheinliche Quelle für den lebensbedrohlichen Darmkeim. "Wir halten an dem Verdacht fest", betonte der Sprecher des niedersächsischen Verbraucherministeriums, Gert Hahne. "Unsere Kausalkette ist wasserdicht und plausibel. Sie reißt nicht ab." Die Spur führt nach Recherchen des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz (LAVES) von dem Hof in verschiedene Restaurants und Kantinen in Norddeutschland, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Überall dort hatten später erkrankte Menschen gegessen.

Auf den ersten Blick ist es mehr gepflegtes Vorstadt-Wohngebiet als dörfliche Idylle. Neu-Steddorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Bienenbüttel. Nach gediegenen Einfamilienhäusern in stillen Nebenstraßen folgt plötzliche Unruhe. Am Ende einer kleinen Sackgasse stehen Übertragungswagen der Fernsehsender, Wachmänner hinter einem Tor, ein Polizeiwagen dreht langsam seine Runde. Mitarbeiter des Gärtnerhofs sind nicht zu sehen, ans Telefon geht keiner mehr. "Die tun mir leid, da geht es um die Existenz", sagt Karen Erbuth. Sie wohnt gleich um die Ecke vom Gärtnerhof. "Finanziell ist das ja jetzt schon ein Desaster."

"Das sah immer alles ordentlich aus", berichtet eine andere Nachbarin. "Ich hoffe, dass man den Ursprung schnell findet, vielleicht ist es ja doch nicht von hier." Auf der Weide nebenan standen am Sonntag noch Rinder. Doch die gehörten nicht zu dem vegetarisch geführten Betrieb.

Geschäftsführer Klaus Verbeck hat am Sonntag der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gesagt, er könne sich keinen Reim auf die Sache machen. Die Salatsprossen wüchsen nur aus Saatgut und Wasser, sie würden nicht gedüngt. Und tierischer Dünger werde nicht verwendet.


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